Aktiv im Sommer

Outdoor Sport für Menschen mit Parkinson

04.07.2013 – Endlich ist der Sommer da und es heißt wieder: raus in die Natur. Wer nicht nur in der Sonne liegen, sondern auch sportlich aktiv sein will, hat eine Fülle an Angeboten im Bereich des Outdoor Sports. Und auch Menschen mit Parkinson müssen sich dabei nicht nur auf Nordic Walking, Golfen oder Wandern beschränken. Immer stärker im Trend: Touren mit dem E-Bike. Doch auch andere Sportarten bieten jede Menge Abwechslung. Wir haben ein paar Tipps, wie Sie auch mit Parkinson aktiv und fit durch den Sommer kommen.

Aktiv im Sommer – Outdoor Sport für Menschen mit Parkinson. Bildquelle: ©Peter-Maszlen – Fotolia und iStockphoto/robcocquyt
Fitness in der Natur für Menschen mit Parkinson. Bildquelle: © Peter-Maszlen – Fotolia und iStockphoto/robcocquyt


Sport und Bewegung spielen in der Therapie von Parkinson eine große Rolle. Sie fördern nicht nur die Beweglichkeit und die körperliche Fitness, sondern auch das Selbstwert- und Lebensgefühl. Und obwohl Menschen mit Parkinson immer darauf achten sollten, dass ihre körperlichen Aktivitäten keine gesundheitlichen Risiken nach sich ziehen, sind sie dabei aber nicht nur auf Gymnastik und Ergotherapie in geschlossenen Räumen angewiesen. Gerade im Sommer gibt es unzählige Sportarten, die in freier Natur ausgeübt werden können.

Besonders beliebt sind vor allem Aktivitäten wie Nordic Walking, Golfen oder Wandern. Fast jede Parkinson Selbsthilfegruppe organisiert regelmäßig gemeinsame Touren, aber auch andere Einrichtungen wie Sport- und Turnvereine laden zum gemeinschaftlichen Wandern oder Walken ein. Oder wie wäre es mal mit einer Runde Bogenschießen? Dazu benötigt es nicht unbedingt einer speziellen Parkinson-Gruppe, sondern einfach einen Verein, der den Umgang mit Pfeil und Bogen lehrt. Das Bogenschießen lässt Menschen mit Parkinson ihren Körper ganz neu erfahren, obendrein wird auch noch die Konzentration geschult. Wem das alles zu langweilig ist, kann auf andere Outdoor Sportarten zurückgreifen: Radfahren und Klettern.

Neue Freiheiten für Menschen mit Parkinson dank E-Bikes

Touren mit dem E-Bike sind nicht nur bei Senioren ein immer beliebterer Trend im Outdoor-Segment – auch junge Technikbegeisterte sind bereits Fans des Sports. Die Vorteile der motorisierten Räder sind auch für Menschen mit Parkinson offensichtlich: Steigungen, die ein Betroffener mit einem normalen Fahrrad nicht überwinden kann, werden mittels Motorkraft spielerisch genommen. Ebenso sind wieder längere Touren und Ausflüge möglich: Wer nicht mehr treten kann, schmeißt einfach den Motor an. Und ein Akku kann immerhin bis zu einer Stunde für ca. 20 km ausreichen – je nach Akku-Typ, Gewicht und Fahrverhalten des Fahrers sowie Geschwindigkeit und Wetter.

Es gibt unterschiedliche Typen elektrisch unterstützter Fahrräder. Pedelecs können im Mischbetrieb (Motor- und Muskelkraft) sowie als reines Fahrrad betrieben werden. Zusätzlich dazu können E-Bikes auch auschließlich mit Motorkraft fahren. Einen Überblick über die verschiedenen Elektrorad-Typen und die jeweiligen rechtlichen Vorschriften gibt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (adfc). Je nach Art, Hersteller und Modell sind E-Bikes und Pedelecs zwischen 600 Euro und 3000 Euro erhältlich.

Für welches Modell man sich entschließt, hängt von der persönliche Befindlichkeit und den Beschwerden ab, die mit der Parkinson-Erkrankung einhergehen. Sie sollten außerdem darauf achten, dass die Rahmenhöhe auf Sie zugeschnitten ist, beziehungsweise einen Trapezrahmen auswählen, damit Sie nicht über den Sattel, sondern auch über die Mitte absteigen können

Wer nicht sicher im Umgang mit einem E-Bike ist, kann spezielle Einsteigerkurse belegen. Einige ADAC-Kreisvereine bieten E-Bike-Fahrradkurse für Anfänger an. Informieren Sie sich unter der 0421/346290 oder auf der Internetseite des ADAC.

Mit Parkinson unterwegs auf zwei Rädern – besser einen Spezialisten fragen

Fachhändler sorgen dafür, dass es vor allem nach dem Kauf keine bösen Überraschungen gibt. E-Bikes und Pedelecs sind  technisch anspruchsvolle Produkte, auf die nicht jeder Laie spezialisiert ist. Vor allem im Fall von körperlichen Einschränkungen sind eine intensive Fachberatung und die Anpassung des Rads an Ihre Bedürfnisse unabdingbar. Bei den Spezialisten haben Sie auch die Möglichkeit einer Probefahrt, in einigen Fällen können Sie bestimmte Modelle sogar für kurze Zeit mieten – finden Sie selbst heraus, welche Antriebssysteme und Radgeometrien für Sie am geeignetsten sind.

Während viele Betroffene gängige E-Bikes und Pedelecs ohne erhöhtes Risiko bedienen können, ist besonders bei Symptomen wie Gleichgewichtsstörungen auf ein besonderes Rad (z. B. dreirädrig) zu achten. Am besten suchen Sie in diesem Fall ein Fachgeschäft auf, das sich auf Menschen mit Behinderungen spezialisiert hat. So bietet etwa die Firma draisin ein umfangreiches Angebot an E-Bikes, das Menschen mit bestimmten Einschränkungen anspricht. Doch das Unternehmen bietet sogar noch mehr…

E-bikes mieten europaweit und in der Schweiz

Die Spezialräder von draisin stehen an zahlreichen Mietstationen zur Verfügung – damit stehen sportlichen Ausflügen und einem aktiven Urlaub nichts mehr im Weg. In Deutschland gibt es mittlerweile 24 solcher Stationen und das Netz wächst stetig. Auch in Österreich, Frankreich, Italien, Finnland und in der Schweiz gibt es solche Mietstationen.

Wer nicht auf Spezialräder angewiesen ist, hat naturgemäß natürlich eine breitere Auswahl, da zahlreiche Reiseveranstalter E-Bikes bereits in ihr Programm aufgenommen haben. Viele Hotels und Urlaubsregionen bieten sie entweder tages- oder wochenweise an, die Preise schwanken zwischen 20 und 28 Euro pro Tag.

Akku leer? Kein Problem! Wo Sie diesen während der Tour aufladen können, erfahren Sie für Deutschland auf der Internetseite www.radtankstelle.de. Eine Übersicht der Stromtankstellen in Österreich, in der Schweiz, auf Mallorca oder Teneriffa finden Sie auf der Seite des E-Bike-Tourismus spezialisierten Unternehmens movelo.

Selbstbewusstsein und Kraft: Klettern für Menschen mit Parkinson

Sie glauben Klettern und Parkinson passt nicht zusammen? Von wegen! Viele Menschen mit Parkinson verbessern durch das therapeutische Klettern nicht nur ihre Kondition und ihre Körperspannung, sondern erfahren durch den Sport ein nahezu neues Körpergefühl. Die Ganzkörperkoordination (u.a. die räumliche Orientierung und die Balance), der Mut und die Ausdauer werden gestärkt. Und auch auf sozialer Ebene bringt das Klettern Vorteile. Die Möglichkeit im Team zu arbeiten und sich aufeinander zu verlassen stärkt Lebensmut und Lebensfreude.

Was sich zuerst waghalsig anhört, kann mit viel Training zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden. Viele Regionalverbände des Deutschen Alpenvereins bieten die Kurse "Klettern mit Handicap" an, die Sektion München und Oberland sogar einen speziellen Schnupperkletterkurs für Parkinson- und MS-Erkrankte (siehe Tipp-Box). Für den zweitägigen Kurs, der zwischen 45 und 65 Euro kostet, kann die Ausrüstung ausgeliehen werden. Spezielle Voraussetzungen müssen die Interessierten nicht mitbringen und besonders sportlich muss man auch nicht sein.

Der Deutsche Alpenverein München Oberland bietet "Schnupperkletterkurse für Parkinson- und MS-Erkrankte" in den DAV Kletter- und Boulderzentren München (Thalkirchen) oder Gilching an. Das neue Kursprogramm für 2014 erscheint am 10. Oktober 2013. Weitere Infos unter www.davplus.de/ .

Die einzelnen Schritte beim Klettern sind gerade für jemand, der Parkinson hat, keine Leichtigkeit: Greifen, festhalten und gleichzeitig einen sicheren Stand finden – das erfordert nicht nur viel Übung, sondern auch einen geschulten Lehrer. Der Deutsche Alpenverein bietet für DAV-Kletterbetreuer die spezielle Fortbildung "Klettern mit Menschen mit Behinderung" an. Sie sind geschult, darauf zu achten, dass der Grad zwischen Förderung und Überforderung bei den Teilnehmenden nicht überschritten wird.

In Deutschland und in vielen Urlaubsländern gibt es zahlreiche Outdoor-Kletteranlagen, die bestiegen werden können – und viele Fortgeschrittene klettern natürlich auch in den Bergen. Wenn Sie sich fürs Klettern interessieren, wenden Sie sich am besten einfach an die nächstgelegene Sektion des Deutschen Alpenvereins. In manchen Fällen ist es möglich, individuelle Termine und Touren mit geschulten Trainern auszumachen.

Egal für welche Sportart Sie sich entscheiden: Hören Sie auf Ihren Körper und klären Sie Aktivitäten immer im Vorfeld mit Ihrem Arzt ab. Wenn der grünes Licht gibt, steht der Fitness im Freien nichts mehr im Weg!


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