Kleine Helfer im täglichen Leben mit Parkinson

Praktische Hilfsmittel können Ihren Alltag erleichtern

03.08.2011 - Es mag Tage in Ihrem Leben geben, an denen manches nicht so gut gelingen möchte, doch mit etwas Mut und Geduld können Sie sich dennoch Ihre Unabhängigkeit bewahren.

Thema des Monats - Kleine Helfer im täglichen Leben

Kleine Alltagshilfen, z. B. für die Fortbewegung und Körperhygiene, können Sie dabei unterstützen, Ihre Freiheit und Eigenständigkeit zu erhalten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse und ihrem Sanitätshaus über Zuzahlungen und Bestellmöglichkeiten für Hilfsmittel. Darüber hinaus helfen Ihnen auch viele kleine Übungen und Tipps, Ihren Alltag gut zu meistern.


Fortbewegung   •   Alltagshilfen   •   Körperhygiene
Übungen
  •   Funktionsspiele   •   Erinnerungshilfen
Sicherheit im Haushalt
   •   Kommunikation

 

*Durch Anklicken der einzelnen Schwerpunkte gelangen Sie direkt zu den jeweiligen Erläuterungen.*


Fortbewegung

Welche Hilfsmittel unterstützen Sie in Ihrer Mobilität? Wir haben Ihnen die wichtigsten zusammengestellt:

  • Nordic Walking-Stöcke: Erlauben dynamisches Gehen mit mehr Aufrichtung (im Sportgeschäft erhältlich). Diese Stöcke ermöglichen Ihnen nicht nur ein sichereres Gehen, sondern fördern auch die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung, die gerade bei Menschen mit Parkinson sehr wichtig sind. Außerdem ist die Technik schnell erlernbar, kann praktisch vor der Haustür ausgeübt werden und zusammen mit Anfängern und Fortgeschrittenen trainiert werden.
  • Knieschoner (auch im Sportgeschäft erhältlich)
  • Hip-safe-Hosen: Schützen die Hüften vor Verletzungen bei eventuellen Stürzen
  • Mobilator
  • Rollator

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dem so genannten „Freezing-Phänomen“ (Bewegungen frieren plötzlich ein) entgegenzuwirken. Sagen Sie sich laut vor, was Sie tun möchten, z. B. „rechtes Bein nach vorne“. Um im Takt zu bleiben, hören Sie Musik beim Laufen – allerdings nur so laut, dass Sie Ihre Umgebung noch wahrnehmen. Steigen Sie bewusst über etwas hinüber, um wieder in Gang zu kommen – das kann ein Fuß einer anderen Person oder auch ein spezieller Gehstock mit ausklappbarem Querbalken sein. Hilfreich kann auch ein mitgeführter Laserpointer sein, mit dem Sie einen Lichtpunkt auf den Boden projizieren, auf den es dann zu treten gilt.
Interessieren Sie sich für Servicematerial zum Thema Hilfsmittel im Alltag und zur Fortbewegung? Sprechen Sie Ihren behandelnden Neurologen darauf an. weiter

Alltagshilfen

Haben Sie Schwierigkeiten in der Bewältigung Ihres Alltags, z. B. beim Ankleiden, Schreiben oder bei der Körperhygiene? Wir geben Ihnen die passenden Tipps!

  • Strumpfanzieher erleichtern das selbstständige Ankleiden. Knopfhilfen ermöglichen auch „Hemd- und Blusenträgern“ ein eigenständiges Anziehen.
  • Griffverdickung und adaptiertes Besteck: Auch mit eingeschränkter Koordinationsfähigkeit und Feinmotorik ist so selbstständiges Essen möglich.
  • Schreibhilfen gewährleisten eine einfachere Handhabung von Stiften.
  • Mit einer Greifzange können Sie schwer erreichbare Gegenstände, z. B. vom Fußboden aufheben.
  • Trinkhilfen: Trinken Sie möglichst aus breiten Tassen oder ausgeschnittenen Bechern. So können Sie das Glas oder auch die Tasse leer trinken, ohne das Kinn anheben zu müssen.


Körperhygiene

  • Toilettensitzerhöhung und Bügel-Haltegriffe ermöglichen das sichere und selbstständige Hinsetzen sowie Aufstehen.
  • Badewannenbretter helfen beim sicheren Einstieg in die Wanne und erleichtern das Duschen und Waschen im Sitzen. Sie dienen auch zum sicheren Transfer in die Badewanne
  • Zahnbürsten mit Griffverdickung sind ideal für Menschen mit feinmotorischen Einschränkungen.
  • Rasieren: Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, einen elektrischen Rasierapparat zu verwenden. Mit einem Winkelgelenk können Sie den Badezimmerspiegel neigen – so können Sie sich mit dem Unterarm auf dem Beckenrand aufstützen und mit der freien Hand den Unterarm stützen.
  • Waschschwämme mit verlängertem Stiel und Handtücher mit langen Halteschlaufen ermöglichen es Ihnen, sich selbstständig den Rücken zu waschen und abzutrocknen.


Übungen mit Hilfsmitteln

Damit Sie so lange wie möglich ein aktives Leben führen können, ist es ratsam, dass Sie auch nach einem Rehabilitationsaufenthalt zu Hause weiter Übungen machen – zum Beispiel Hand- und Fingerübungen. Das muss nicht immer aufwändig sein: Alltägliche Hilfsmittel, die im Haushalt zu finden sind, können Ihnen die Übungen erleichtern.

Wir haben einige Vorschläge für Sie zusammengestellt:

  • Schaumstoffball zusammendrücken und langsam wieder loslassen (entweder liegt die Hand auf dem Ball, oder der Handrücken liegt auf der Tischfläche mit dem Ball in der Handfläche)
  • Ball mit den Fingerspitzen auf der Tischfläche entlang rollen (nach vorne und wieder zurück oder nach links und rechts)
  • Zeitungspapier mit einer Hand zum Ball formen, ohne Zuhilfenahme der anderen Hand
  • Mit beiden Händen eine Ziehharmonika aus einem Blatt Papier falten
  • Papierkugeln formen und mit den Fingern wegschnippen (auf aufrechte Sitzposition achten)
  • Luftballon mit beiden Händen im Wechsel hin und her schlagen bzw. kleinen Ball hin und her werfen (in Brusthöhe, über dem Kopf, mit beiden Händen oder mit einer Hand)
  • Kleinen Ball um den Körper (Rumpf) führen – mit der anderen Hand hinter dem Rücken übernehmen
  • Auch Schluckübungen können mit alltäglichen Hilfsmitteln erleichtert werden – mehr dazu finden Sie in unserer Rubrik Schlucken und Sprechen.

Ob mit oder ohne Hilfsmittel: Weitere Übungen und
Tipps für das Training zu Hause finden Sie in unserer
Rubrik Bewegung.

Funktionsspiele

Auch bestimmte Gesellschaftsspiele ermöglichen es Ihnen, Übungen spielerisch in den Alltag zu integrieren. Solche sogenannten Funktionsspiele (Ergotherapie) fördern motorische Funktionen (wie Hand- und Fingerfunktionen) oder basale Komponenten wie Gedächtnis, Konzentration und Strategiedenken. Ziel der Funktionsspiele ist es, auf spielerische Art und Weise Bewegungen zu entlocken und sie dadurch zu trainieren. Viele Spiele können auch ideal in den Familienalltag eingebunden werden und sind in vielen Geschäften erhältlich:

  • Vier gewinnt: trainiert Greiffunktion, Koordination, Aufmerksamkeit, Strategiedenken
  • Solitär: trainiert Greiffunktion, Koordination, Feinmotorik, Strategiedenken
  • Memory: trainiert Gedächtnis, Konzentration, Fingerfertigkeit, Greiffunktion, Drehbewegung
  • Mikado: trainiert Greiffunktion, Koordination, Konzentration


Erinnerungshilfen

Gerade am Anfang einer Therapie kann es hilfreich sein, sich durch Erinnerungshilfen an die neue tägliche Routine zu gewöhnen:

  • Machen Sie sich Erinnerungshilfen für das laute Sprechen und kleben Sie diese an verschiedene Stellen in Ihrer Wohnung und an Ihren Arbeitsplatz
  • Ein aufgehängter Medikamentenfahrplan unterstützt Sie bei der regelmäßigen Einnahme der benötigten Präparate
  • Mit Pillenboxen aus der Apotheke (sogenannte Medikamentendispenser) können Sie die richtige Menge an Medikamenten bereits für mehrere Tage im Voraus zusammenstellen und können überprüfen, welche Tagesdosen Sie bereits eingenommen haben. Außerdem wissen Sie so frühzeitig, wann Sie beim Arzt ein neues Rezept holen müssen.


Sicherheit im Haushalt

Gang- und Haltungsstörungen sind Kernsymptome (sog. Kardinalsymptome) des Parkinson – sie können die Gefahr von Stürzen erhöhen. Deswegen sollten Sie auch in Ihrem Haushalt dafür sorgen, dass mögliche Gefahrenquellen wie frei liegende Kabel und Hindernisse beseitigt werden. Zusätzlich können kleine Helfer zu Ihrer Sicherheit beitragen:

  • Besorgen Sie sich rutschfeste Unterlagen für Ihre Teppiche, Läufer oder Ähnliches
  • Durch Fernbedienungen für das Licht verringern Sie die Wahrscheinlichkeit, im Dunkeln laufen zu müssen
  • Verzichten Sie auf zu lockere Hausschuhe – festes Schuhwerk mit Ledersohlen und Gummiabsätzen sind auch im Haushalt am besten geeignet.
  • Für die Sicherheit im Bad finden Sie Alltagshilfen im Bereich „Körperhygiene“


Unterstützte Kommunikation (UK)

Wenn die verbale Kommunikation zunehmend schwieriger wird, können alternative Kommunikationsmittel das Mitteilen Ihrer Grundbedürfnisse sichern und das Sprechen in schlechteren Phasen ergänzen. Dazu zählen:

  • Nicht elektronische Kommunikationshilfen wie z. B. Zeigetafeln oder Kommunikationsbücher
  • Elektronische Kommunikationshilfen, wie  z. B. sprechende Zeigetafeln
  • Statische Systeme mit Schrifteingabe, sogenannte sprechende Schreibmaschinen
  • Dynamische Systeme mit Symbol- und Schrifteingabe, wie z. B. Kombinationsgeräte mit Touchscreendisplay und Sprachausgabe
  • Stimmverstärker


Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesfachverband Elektronische Hilfsmittel für Behinderte e.V. – Kontaktinformationen finden Sie in der Rubrik Adressen und Links.

Kümmern Sie sich bei Bedarf frühzeitig um die Versorgung mit Kommunikationshilfen, damit der Erfolg des Einsatzes gewährleistet werden kann. Eine Lern- und Anpassungsphase ist nötig, sowie die Zeit für die Prüfung der Kostenübernahme durch den Kostenträger. Es gilt: Kommunikationsversorgung so früh wie möglich andenken – erproben – anpassen!


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