Mutmacher Humor

Lachen trotz Parkinson

02.04.2014 – Von Lach-Yoga bis zur Clown-Therapie: Die heilsame Wirkung von Lachen ist wissenschaftlich erwiesen und wird zum Teil auch in der Parkinson-Therapie eingesetzt. Denn mit einer positiven Grundeinstellung lässt sich sowohl das psychische als auch das physische Wohlbefinden steigern.
Mutmacher Humor – Lachen trotz Parkinson © 123RF.comDie positive Wirkung von Lachen ist wissenschaftlich bewiesen und wird zum Teil auch in der Parkinson-Therapie eingesetzt. © 123RF.com

Unmittelbar nach der Diagnose ist es für viele Parkinson-Betroffene nicht leicht, fröhlich zu sein. Im Verlauf der Erkrankung können typische Parkinson-Symptome wie depressive Verstimmungen hinzukommen. Auch die sogenannte "Hypomimie" – eine maskenhafte Starre des Gesichts, durch welche die Fähigkeit verloren gehen kann, Emotionen per Mimik auszudrücken – kann eine optimistische Haltung zum Leben noch zusätzlich beeinflussen.

Doch was können Menschen mit Parkinson gegen diese Spirale der Traurigkeit und Resignation tun? Insbesondere, wenn ihnen gerade überhaupt nicht nach Lachen zumute ist? Lässt sich ein positives Bewusstsein auch "erzwingen" und kann dieses überhaupt etwas bewirken bei chronischen Erkrankungen wie Parkinson?

Lachen als "Therapie" bei Menschen mit Parkinson

"Lachen ist die beste Medizin", besagt ein gängiges Sprichwort. Und wissenschaftlich nachgewiesen ist: Eine positive Grundeinstellung kann dazu beitragen, negative Gedanken besser zu verarbeiten und das psychische und physische Wohlbefinden zu steigern. Manchmal reicht es schon, sich einen amüsanten Film anzusehen, um dem Grübeln eine Zeit lang zu entkommen. Sogar Angstzustände können unter Umständen durch humorvolle Situationen entschärft werden.

Bei einem ausgiebigen Lach-"Anfall" beginnen die Gesichtsmuskeln zu arbeiten. Die Stimmbänder fangen an zu schwingen. Die Atmung wird angekurbelt und das Blut dadurch mit Sauerstoff angereichert, der Puls steigt. Der positive Nebeneffekt eines intensiven Lachens: Es kommt zu einem verstärkten Ausstoß von Glückshormonen (u.a. Endorphine) und Botenstoffen (Serotonin und Dopamin). Dies bewirkt nicht nur das Gefühl von mehr Selbstvertrauen, sondern kann auch für ein besseres seelisches und körperliches Wohlbefinden sorgen. Gleichzeitig baut der Körper die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ab, was im Körper eine nachhaltige Phase der Entspannung bewirkt. Manche Forscher vergleichen den Effekt eines mehrminütigen Lachanfalls mit der Wirkung eines 20-minütigen Dauerlaufs. Laut einer kanadischen Studie stärkt Lachen darüber hinaus das Immunsystem, indem es die Abwehrzellen (T-Lymphozyten und T-Helferzellen) aktiviert. Möglicherweise könnten durch häufiges Lachen sogar chronische Schmerzen gemindert und das Herzinfarkt-Risiko gesenkt werden.

Auf die Herangehensweise kommt es an, auch beim Thema Parkinson: In dem Erzählband "Es ist, wie es ist" geben Mitglieder einer Berliner Selbsthilfegruppe auf teils humorvolle, teils sarkastische Weise Einblick in ihren Alltag mit Parkinson.

Lach-Yoga und Clown-Therapie bei Parkinson

Lach-Yoga kombiniert Atemübungen mit Lach-Techniken wie dem Begrüßungslachen, dem Herzlichen Lachen oder dem Lachen aus dem Bauch heraus, dem sogenannten "Löwenlachen". Es wurde 1995 vom indischen Arzt Madan Kataria aus dem Hatha-Yoga entwickelt. Praktiziert wird diese Yoga-Technik in so genannten "Lachclubs", von denen es in Deutschland circa 150 gibt. Lach-Yoga wird auch in der Parkinson-Therapie eingesetzt. Ziel dieser Technik ist es, mithilfe pantomimischer Übungen in Verbindung mit Dehn-, Klatsch- und Atemübungen zu erreichen, dass aus einem zunächst künstlich erzeugten Lachen ein "echtes" Lachen entsteht. In einer Studie der Universität Graz trainierten Schlaganfallpatienten vier Wochen lang Lach-Yoga. Die Studienteilnehmer hatten anschließend signifikant niedrigere Blutdruckwerte im Vergleich zu einer Gruppe, die nicht trainiert hatte.

Die Clown-Therapie geht auf den amerikanischen Arzt Patch Adams zurück. Er entdeckte Anfang der 1970er Jahre, dass häufig lachende Patienten schneller gesund werden. Seitdem schicken viele Kliniken regelmäßig Clowns auf "Visite", die für etwas Spaß und Abwechslung sorgen sollen – vor allem bei schwerkranken Kindern und Jugendlichen. Die Patienten können so positiv abgelenkt werden, ihre Erkrankung für einen Moment vergessen und wieder Trost und Hoffnung schöpfen. Auch Pflegeinstitute und Seniorenheime setzen diese Therapieform erfolgreich ein: Den Betroffenen kann auf diese Weise wieder mehr Freude vermittelt werden, so dass verstärkt Neugierde und Interesse an einer Kommunikation geweckt wird. Die Clown-Therapie wirkt damit auch dem sozialen Rückzug entgegen.

Im Neurologischen Therapiezentrum in Köln wird derzeit untersucht, wie sich die Teilnahme an einer Clown-Therapie bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder Schlaganfall auswirkt.

Tipps, wie Sie trotz Parkinson öfter lachen können

  • Zwischendurch immer mal wieder lächeln
    Kaum zu glauben, aber wahr: Auch wenn Ihnen gar nicht nach Lachen zumute ist, können Sie Ihre Stimmung positiv beeinflussen. Versuchen Sie ganz bewusst etwa eine Minute lang zu lächeln. Sie können sich dafür auch vor einen Spiegel setzen. Was Ihnen zuerst vielleicht Mühe bereitet und seltsam erscheint, geht bald wie von alleine. Denn durch Ihr Lächeln aktivieren Sie Gesichtsnerven, die Ihrem Gehirn melden, dass gerade etwas Angenehmes oder Lustiges passiert.

  • Offen für gute Laune sein
    Nicht jeder kann über die gleichen Dinge lachen. Finden Sie heraus, was Ihnen persönlich als witzig und komisch erscheint. Integrieren Sie Lustiges in Ihren Alltag: Lesen Sie witzige Comics oder Bücher, schauen Sie sich Komödien an, abonnieren Sie einen Witze-Newsletter, lassen Sie sich von ulkigen Erlebnissen mit Ihren Haustieren aufmuntern oder fordern Sie Freunde und Bekannte auf, Ihnen etwas Amüsantes zu erzählen.

  • Lustiges aufbewahren und wiedervorholen
    Sammeln Sie für schlechte Tage Ihren persönlichen Vorrat an komischen Situationen und lustigen Dingen. Schreiben Sie beispielsweise Witze und Anekdoten, die Sie zum Schmunzeln gebracht haben, in einem eigens dafür gedachten Büchlein auf. Schneiden Sie lustige Cartoons und Bilder aus Zeitschriften aus und kleben Sie diese ebenfalls in Ihr Anekdoten-Büchlein. Besorgen Sie sich lustige Bücher und Filme. Wenn Sie Ihre Gemütsverfassung verbessern wollen, bedienen Sie sich einfach aus Ihrem gesammelten Gute-Laune-Vorrat und lassen sich davon etwas aufheitern.

  • Lachen Sie auch mal über sich selbst
    Wenn man sich selbst mit einem zwinkernden Auge betrachtet, gelingt es häufig besser, das Leben nicht so schwer zu nehmen. Doch seien Sie gnädig zu sich selbst und verwechseln Sie Selbstironie nicht mit Häme!

  • Gemeinsam lacht es sich am besten
    Fröhlichkeit wirkt bekanntlich ansteckend. Selbst über kleinere Missgeschicke kann man in der Gruppe oft lachen. Ziehen Sie sich daher nicht in Ihr Schneckenhaus zurück, sondern treffen Sie sich mit der Familie, Freunden und Bekannten oder schließen Sie sich einer Parkinson-Selbsthilfegruppe an. Sie werden erstaunt sein, wie viel es gemeinsam zu lachen gibt.

Der US-Schauspieler Michael J. Fox zeigt in der Sitcom "The Michael J- Fox- Show", wie man mit einem Augenzwinkern und viel Selbstironie mit seiner Parkinson-Erkrankung umgehen kann. Fox spielt in der im Jahr 2013 in Amerika gestarteten Fernsehserie einen Nachrichtensprecher, der an Parkinson erkrankt ist. Die Serie greift viel Autobiografisches aus dem Leben von Michael J. Fox auf, der seit 1991 an Parkinson erkrankt ist.


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