Klänge und Tanz aktivieren Körper und Seele

Musiktherapie bei Parkinson

10.02.2014 Musik unterhält, entspannt und beschwingt. In der Therapie von Menschen mit Parkinson eingesetzt kann sie aber auch dazu beitragen, wichtige körperliche und geistige Funktionen zu erhalten oder zu aktivieren. All diese Aspekte zusammen vermögen die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
Klänge und Tanz aktivieren Körper und Seele – Musiktherapie bei Parkinson © Fotolia.com
Musiktherapie kann bei Menschen mit Parkinson sowohl körperliche als auch psychische Begleiterscheinungen der Erkrankung lindern. © Fotolia.com

Haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass im Rhythmus zur Musik vieles leichter geht? Verschiedene wissenschaftliche Studien konnten bereits nachweisen, dass sich Musiktherapie für Menschen mit Parkinson besonders gut eignet. Musiktherapie gehört zu den sogenannten "aktivierenden Therapieformen": Als sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Behandlung können mit diesem ganzheitlichen Ansatz sowohl körperliche als auch psychische Begleiterscheinungen der Erkrankung gelindert und die Selbstheilungsprozesse der Betroffenen aktiviert werden.

Tanzen oder rhythmische Übungen verbessern zum Beispiel den Bewegungsablauf von Menschen mit Parkinson. Die Betroffenen erzielen dadurch eine höhere Körperstabilität und gewinnen wieder mehr Sicherheit beim Gehen. Mit Musiktherapie können auch kognitive Fähigkeiten wie das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Reaktionsfähigkeit von Parkinson-Betroffenen trainiert werden. Gesangsübungen aktivieren die Sprachmotorik und auch das allgemeine Sprachverständnis wird durch musikalische Impulse verbessert. Darüber hinaus fördert Musik die Fähigkeit, sich zu entspannen und kann durch gezielten Einsatz in der Therapie sogar dazu beitragen, depressive Verstimmungen abzuschwächen.
In vielen Fach- und Reha-Kliniken gehört Musiktherapie deshalb zum Angebot für Parkinson-Betroffene.

 

Im Rhythmus gegen Gangstörungen bei Parkinson

Wesentlicher Bestandteil der Musiktherapie für Menschen mit Parkinson ist die sogenannte Rhythmisch-akustische Stimulation (RAS): Zum Klang eines gleichmäßigen Grundschlags trainiert der Betroffene das Gehen. Der Takt wird entweder von einem Metronom, durch ein vom Therapeuten gespieltes Perkussionsinstrument, rhythmisches Klatschen oder über Musik vorgegeben. Mit dieser Technik lassen sich individuell die Schrittlänge, das Tempo und das Gangbild einüben. Auch das aktive Spielen eines Instrumentes wird oftmals eingesetzt, um die Motorik zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise das Trommeln eines bestimmten Rhythmus auf Perkussionsinstrumenten oder einfache Fingerübungen am Klavier.
  
Viele Menschen mit Parkinson merken bereits unmittelbar während dieser "musikalischen Stimulation", dass sie sich flüssiger bewegen können. Bei regelmäßigem Training hält dieser Effekt auch weit über die Therapiestunde hinaus an. In manchen Fällen kann Musiktherapie sogar Gangblockaden lindern. Die entsprechenden Übungen können Betroffene auch gut selbständig zuhause durchführen.

 

Sprache und Stimme trainieren

Auch das Sprechen kann bei Menschen mit Parkinson mit akustischer Stimulation positiv beeinflusst werden. Im Rhythmischen Sprechtraining gibt beispielsweise ein Metronom den Takt vor. Das Artikulieren im Rhythmus erlaubt es, Sprechtempo und Silbenfluss bewusst kontrollieren zu lernen, eine bessere Verständlichkeit zu erlangen und Sprechstörungen wie Stottern zu therapieren.

Beim Therapeutischen Singen wird auf Elemente aus der Stimmbildung zurückgegriffen: Die Parkinson-Betroffenen lernen Techniken zur Variation der Lautstärke, der stimmlichen Klangfarbe und des Tonspektrums. Hierfür werden beispielsweise Vokale oder Tonleitern gesungen und Laute wie Stöhnen, Seufzen und Gähnen geübt. Zur Verbesserung der Atemtechnik eignet sich die Zwerchfellatmung. Um die Atemfunktion und die Beweglichkeit der Lippen zu trainieren, setzen Therapeuten manchmal auch Blasinstrumente ein.

Singen eignet sich ebenfalls hervorragend, um die Stimme von Menschen mit Parkinson zu fördern. Finden die Gesangsübungen in der Gruppe statt, hat dies neben dem motorischen auch einen positiven psychologischen Effekt: Viele Menschen mit Parkinson können aus dem Gruppenerlebnis Kraft und Motivation für den Alltag schöpfen, das Zugehörigkeitsgefühl wird gestärkt und die Isolierungsgefahr von Menschen mit Parkinson sinkt. Aus diesen Gründen ist gemeinsames Singen meistens auch fester Bestandteil der regelmäßigen Treffen von Parkinson-Selbsthilfegruppen.

Auf der Internetseite www.mit-musik-geht-reha-besser.de finden Sie neben vertiefenden Informationen zum Thema Musiktherapie bei Parkinson auch Musikdateien im MP3-Format zum kostenlosen Herunterladen. Die Musik ist sowohl für die Therapie als auch für das private Training zuhause geeignet. Bitte halten Sie jedoch zuvor Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten, welche der Titel sich für Sie eignen.

Warum wirkt Musiktherapie bei Menschen mit Parkinson?

Bei manchen Liedern muss man einfach mitwippen. Akustische Reize und die emotionale Wirkung des Musikhörens haben, so wird vermutet, direkten Einfluss auf das motorische Nervensystem: Beschleunigt sich zum Beispiel der Rhythmus des Musikstückes, passt sich die Bewegung automatisch an. Dieser Effekt wird auch in der Musiktherapie genutzt. Manche Therapeuten integrieren deshalb Tanzübungen in ihr Training. Die Betroffenen gewinnen auf diese Weise neben Sicherheit auch wieder mehr Freude an der Bewegung zurück.

Wie eine italienische Studie zeigen konnte, überträgt sich die positive Wirkung von Musiktherapie offensichtlich auch auf den Alltag von Menschen mit Parkinson: Dank der verbesserten motorischen und sprachlichen Fähigkeiten fühlten sich die Studienteilnehmer insgesamt wohler. Sie gaben an, im Alltag aktiver zu sein und tägliche Herausforderungen wie das Zerteilen von Mahlzeiten oder das Ankleiden besser bewältigen zu können. Außerdem sei es ihnen leichter gefallen, soziale Kontakte zu pflegen. Die Studie zeigte allerdings auch: Nachdem sie abgeschlossen war und die Übungen nicht mehr regelmäßig durchgeführt wurden, war die positive Wirkung relativ schnell wieder verpufft.

Trotz der nachgewiesenen Vorteile für Menschen mit Parkinson gehört Musiktherapie derzeit nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Im Rahmen eines stationären Therapieaufenthalts in einer Parkinson-Fachklinik jedoch ist sie oftmals schon fester Bestandteil der Behandlung.


Quellen:

 

Mehr zum Thema auf www.leben-mit-parkinson.de:


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