Parkinson und Verdauung: Hilfe bei Verstopfung

Den Darm ankurbeln

18.11.2013 – Gerade in der kälteren Jahreszeit verbringen viele Menschen ihre Zeit vornehmlich in den eigenen vier Wänden. Denn wenn es regnet und schneit, verkriecht man sich lieber für einen kuscheligen Fernsehabend oder mit einem guten Buch auf der Couch und knabbert ungesunde Snacks, als draußen aktiv zu sein. Doch fehlende Bewegung und falsche Ernährung machen vor allem der Verdauung zu schaffen.

Parkinson und Verdauung – Den Darm ankurbeln © 123 RF.com, Piotr Marcinski
Darmträgheit ist ein häufiges Symptom von Parkinson. © 123 RF.com, Piotr Marcinski

Bei Menschen mit Parkinson ist die Beeinträchtigung der Darmfunktion darüber hinaus eine Folgeerscheinung der Erkrankung: Darmträgheit ist ein häufiges Symptom von Parkinson. Sie tritt aber auch aufgrund von Bewegungsmangel und geringer Flüssigkeitsaufnahme oder als Folge der Medikamenteneinnahme auf. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihren Darm in Schwung halten.

 

Verstopfung bei Parkinson

Magen-Darm-Störungen zählen zu den häufigsten Beeinträchtigungen, mit denen sich Parkinson-Betroffene auseinandersetzen müssen. Dabei steht die Darmträgheit mit Verstopfung an oberster Stelle. Viele Parkinson-Medikamente, vor allem die Anticholinergika, tragen durch die Hemmung der Darmbewegung (Peristaltik) zur Verstopfung (Obstipation) bei.

Abführmittel sind selten über eine längere Zeit erforderlich und sollten auch keine Dauerlösung sein. Denn sie schädigen, werden sie regelmäßig eingenommen, den Darm und fördern sogar die Verstopfungsproblematik. Sinnvoller ist es, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und langfristig die Ernährung umzustellen.

Wer sich beim Essen genügend Zeit nimmt und ausgiebig kaut, sorgt bereits im Mundraum für eine gute Zerkleinerung der Lebensmittel. Die Angriffsfläche für die Verdauungsenzyme wird größer, außerdem bewirkt der Speichel bereits die ersten chemischen Verdauungsprozesse. Die Verdauung wird damit für den Magen-Darm-Trakt leichter.
In unseren Nahrungsmitteln sind zahlreiche Biostoffe enthalten, die auf die Verdauung anregend wirken.

Unverzichtbar: gute Ballaststoffe

Die wichtigsten Helfer für eine gesunde Verdauung sind die Ballaststoffe. Diese Faserstoffe kommen nur in Nahrungsmitteln pflanzlicher Herkunft vor und bestehen aus Kohlenhydraten. Sie werden vom Menschen nicht verdaut, d. h. sie passieren den gesamten Verdauungstrakt, ohne dabei chemisch verändert zu werden.

Ballaststoffe wirken auf drei Arten verdauungsfördernd: Sie reduzieren im Magen die Ausschüttung von Salzsäure und schonen auf diese Weise die Magenwände. Außerdem aktivieren sie zahlreiche Verdauungsenzyme, die erst dann aktiv werden, wenn sich genügend Ballaststoffe in der Nahrung befinden. Schlussendlich erhöhen Ballaststoffe das Volumen des Darmbreies. Er verändert seine Konsistenz und kann somit von der Darmmuskulatur besser weitertransportiert werden. Der Stuhl bleibt weich und formbar und kann ohne großen Muskelaufwand abgegeben werden.

Das macht Ballaststoffe zu einem wirksamen Heil- und Vorsorgemittel gegen Verstopfung und deren Folgeerkrankungen wie Hämorrhoiden, Divertikulose und Krampfadern. Wissenschaftler empfehlen, 30 Gramm Faserstoffe pro Tag zu essen. Ballaststoffe sind in vielen verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, so dass verdauungsfördernde Ernährung durchaus abwechslungsreich ist.


Ballaststoffe und Blähungen

So gut Faserstoffe für unseren Darm auch sind: Einige ballaststoffreiche Lebensmittel mobilisieren nicht nur die Verdauung, sondern können auch unangenehme Blähungen verursachen. Bohnen, Hülsenfrüchte, Rettich, Kohl und Zwiebeln beispielsweise enthalten vor allem die sogenannten wasserlöslichen Ballaststoffe. Diese werden im Dickdarm von Bakterien zersetzt, dabei entstehen Essigsäure und Gase.

Im Gegensatz zu den wasserlöslichen wirken wasserunlösliche Ballaststoffe in der Regel nicht blähend und sind gut verträglich. Sie werden im Dickdarm nur in geringem Maße verändert, sondern erhöhen aufgrund ihres Quellvermögens das Stuhlvolumen. Menschen, die zu Blähungen neigen, sollten ihren Bedarf demnach vorwiegend mit wasserunlöslichen Ballaststoffen decken.

Diese Nahrungsmittel enthalten gut verträgliche, blähungsmindernde Ballaststoffe: Getreideflocken, Weizenkleie, Naturreis, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Sojaprodukte und Obst.

Wer seine Ballaststoffeinnahme erhöht, sollte darauf achten, ausreichend zu trinken. Denn nur mit genügend Wasser können die Faserstoffe ihre Wirkung entfalten. Fehlt ihnen die Flüssigkeit um zu quellen, kann sich die Verstopfung sogar verschlimmern.

Neben den Ballaststoffen helfen zahlreiche weitere Substanzen in unseren Nahrungsmitteln der Verdauung auf die Sprünge. Berücksichtigt man sie vermehrt beim Kochen, beugen sie der Darmträgheit wirksam vor.

Bitterstoffe und Co.: Unverzichtbar für die Verdauung

In der modernen Ernährung wird den Bitterstoffen oft nicht mehr viel Bedeutung zugemessen. Ihr Einfluss auf den Verdauungsprozess aber ist herausragend. Bitterstoffe wirken, indem sie die Geschmacksnerven der Zunge anregen. Dadurch wiederum wird im Magen, der Bauchspeicheldrüse und im Dünndarm die Produktion von Verdauungssäften gefördert und die Darmbewegung mobilisiert. Die verdauungsfördernde Wirkung von Bitterstoffen entfaltet sich etwa 20 bis 30 Minuten, nachdem sie verzehrt wurden.

Bitterstoffe kommen in Kräutern und bestimmten Salaten wie Radicchio und Chicorée vor. Ebenso sind sie in Erdnussöl, Maisöl, Sonnenblumen- und Weizenkeimöl sowie in Grapefruit enthalten. Auch Getränke wie Bitterlemon, Kaffee, Tee und Tonicwater tragen zur Versorgung mit Bitterstoffen bei.

Vermeiden Sie Zucker und Süßigkeiten: Wer viel Süßes isst, hat wenig Lust auf Nahrungsmittel mit bitterem Geschmack.

Die Darmbewegung ist neben der Arbeit der Verdauungsenzyme ein wichtiger Faktor für regelmäßigen Stuhlgang. Die Muskelbewegungen des Darmes mischen den Darminhalt und transportieren ihn weiter. Die Mineralstoffe Kalium und Magnesium sind regelrechte „Muskelmineralien“. Ist man mit beiden gut versorgt, kann die Darmmuskulatur besser arbeiten. Kaliumreich sind Sojabohnen, Bierhefe, Leinsamen, Weizenkleie, Artischocken, Petersilie und Pistazien. Ausreichend Magnesium nimmt man auf, wenn man beispielsweise genügend Nüsse, Samen, Hirse, Getreideprodukte und Bohnen in seinen Speiseplan einbaut.

 

Rezeptvorschlag: Karotten-Apfel-Müsli

Mit diesem Frühstück bringen Sie Ihren Darm gleich in der Früh richtig in Schwung!

Zutaten für 2 Personen:
300 g frische Karotten
1 großer Apfel (ca. 150 g)
30 g Sonnenblumenkerne
3 Scheiben Vollkornknäckebrot (ca. 30 g)
2 TL Honig (ca. 20 g)
200 g Sahnejoghurt

Die Karotten unter fließendem Wasser abbürsten, mit Küchenpapier abtrocknen und grob raspeln.
Den Apfel waschen, vierteln, entkernen und würfeln. Die Apfelstücke unter die Karotten mischen. Das Knäckebrot zerkrümeln und mit den Sonnenblumenkernen unter die Karotten-Apfel-Mischung mengen. Den Honig darüber träufeln. Den Sahnejoghurt cremig rühren und auf 2 Teller verteilen. Die Müsli-Mischung darauf anrichten.


Guten Appetit!

 


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