Pflegeversicherung für Menschen mit Parkinson

Wer kann eine Pflegestufe beantragen?

15.11.2012 - Einkaufen, Duschen oder Essen: Viele Parkinson-Betroffene benötigen im Alltag Hilfe und sind auf Leistungen der Pflegeversicherung angewiesen. Doch bei der Beantragung einer Pflegestufe ist einiges zu beachten. Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Pflegeversicherung für Menschen mit Parkinson - Wer kann eine Pflegestufe beantragen?
Bei der Beantragung einer Pflegestufe gibt es einiges zu beachten. Bild: iStockphoto


Viele Menschen, die sich im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung befinden, sind auf finanzielle und praktische Unterstützung angewiesen. Sowohl gesetzlich Versicherte als auch Mitglieder privater Krankenversicherungen sind berechtigt, Pflegeleistungen zu beantragen, wenn sie die Voraussetzungen für eine der drei Pflegestufen erfüllen. In einigen Bereichen profitieren aber auch Angehörige oder andere Helfer von den Leistungen.

Wer kann Leistungen beziehen?

Als pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes gilt, wer "wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens für mindestens sechs Monate in erheblichem Maße der Hilfe bedarf". Hierunter fallen beispielsweise die Körperpflege (Duschen, Kämmen, Zähneputzen), Mobilität (An- und Ausziehen, Aufstehen und Zubettgehen, usw.), Ernährung (portionsgerechtes Zerkleinern der Nahrung, Gabel zum Mund führen, etc.) oder die Haushaltsführung (Einkaufen, Putzen, Kochen).

Um Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie bei Ihrer zuständigen Pflegekasse zunächst einen Antrag auf eine Pflegestufe stellen. Grundvoraussetzung: Sie müssen in den zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre als Mitglied in die Pflegekasse eingezahlt haben. Alle pflichtversicherten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sind automatisch pflegeversichert. Gleiches gilt für Angehörige, die im Rahmen der Familienversicherung mitversichert sind. Privat Krankenversicherte sind verpflichtet, eine entsprechende private Pflegeversicherung abzuschließen. Bei gesetzlich Versicherten sind die Pflegekassen an die jeweilige Krankenkasse angegliedert.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat den kostenfreien Ratgeber "Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen" herausgegeben. Weitere Informationen und den Link zum Download finden Sie hier.

Welche Pflegestufen gibt es?

Pflegebedürftigkeit wird in drei Stufen eingeteilt. Je nach Einstufung variiert die Höhe der Leistungen. Das Gutachten für den jeweiligen Pflegebedürftigen erstellt der unabhängige "Medizinische Dienst der Krankenversicherung" (MDK) im Auftrag der Kasse.

  • Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit:
    Als erheblich pflegebedürftig gilt, wer mindestens einmal täglich bei zwei oder mehr Verrichtungen aus den Bereichen der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfe im Haushalt benötigt. Der dafür notwendige wöchentliche Zeitaufwand muss im Durchschnitt pro Tag mindestens 90 Minuten betragen. Davon müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen.

  • Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit:
    Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe bei der Grundpflege und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt wird. Der wöchentliche Zeitaufwand muss pro Tag im Durchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

  • Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit:
    Als schwerstpflegebedürftig definieren die Pflegekassen Fälle, die rund um die Uhr, auch nachts, Hilfe bei der Grundpflege benötigen. Zusätzlich ist mehrfach in der Woche Unterstützung im Haushalt erforderlich. Der wöchentliche Zeitaufwand muss pro Tag im Durchschnitt mindestens fünf Stunden betragen. Davon müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.

Sind die Voraussetzungen für die Pflegestufe III erfüllt und liegt ein außergewöhnlich hoher oder intensiver Pflegeaufwand vor, kann eine Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. In diesem Fall gibt es höhere Leistungen.

Auch Personen, die noch nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen, aber dennoch Unterstützung im Alltag benötigen, haben einen Anspruch auf einen Betreuungsbetrag. Man spricht hier von der "Pflegestufe 0".

Spätestens ab Beantragung einer Pflegestufe sollten Sie alle Belege Ihrer Pflegeausgaben sammeln. Wird Ihr Antrag bewilligt, übernimmt die Pflegekasse innerhalb des genehmigten Leistungsrahmens rückwirkend alle Kosten ab dem Datum des gestellten Antrags.

Welche Leistungen erhält man aus der Pflegeversicherung?

Pflegebedürftige erhalten eine monatliche Geld- oder Sachleistung. Eine Sachleistung beinhaltet die häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst, der einen Vertrag mit der jeweiligen Pflegekasse abgeschlossen hat. Anstelle von Sachleistungen kann aber auch Pflegegeld gezahlt werden. In diesem Fall organisiert der Pflegebedürftige die erforderliche Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung selbst, indem er sich beispielsweise von Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn oder Ehrenamtlichen helfen lässt. Es sind aber auch Kombinationen von Sach- und Geldleistungen möglich, beispielsweise wenn Angehörige nur abends oder am Wochenende die Pflege übernehmen können und für die restliche Zeit ein ambulanter Pflegedienst engagiert wird.

Kann ein Pflegebedürftiger nur zeitweise zu Hause betreut werden, zahlt die Pflegeversicherung Zuschüsse zu einer teilstationären Pflege in Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen. Wenn er nicht zu Hause oder teilstationär betreut werden kann, hat der Betroffene Anspruch auf Pflege in vollstationären Einrichtungen. Darüber hinaus ist er zum Beispiel bei Krankheit des Pflegenden berechtigt, einmal im Jahr für maximal vier Wochen eine Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung zu beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient bereits mindestens ein Jahr lang zu Hause gepflegt wurde.

Auch die Kosten für Pflegehilfsmittel, wie Gehhilfen, Greifhilfen oder spezielles Essbesteck und behindertengerechte Umbauten der Wohnung werden bis zu einem bestimmten Betrag erstattet. Nähere Auskünfte erhalten Sie bei Ihrer Pflegekasse.

Wie hoch sind die aktuellen Pflegesätze?

Die Leistungen staffeln sich entsprechend der einzelnen Pflegestufen:

  • Pflegegeld (2012) bis monatlich
    Stufe I: 235 Euro, Stufe II: 440 Euro, Stufe III: 700 Euro
  • Pflegesachleistungen (2012) bis monatlich
    Stufe I: 450 Euro, Stufe II: 1.100 Euro, Stufe III: 1.550 Euro (Härtefall: 1.918 Euro)
  • Kombinationsleistungen werden anteilig berechnet
  • Teilstationäre Pflege in Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen (2012) bis monatlich
    Stufe I: 450 Euro, Stufe II: 1.100 Euro, Stufe III: 1.550 Euro (Härtefall: 1.918 Euro)
  • Vollstationäre Pflege (2012) bis monatlich
    Stufe I: 1.023 Euro, Stufe II: 1.279 Euro, Stufe III: 1.550 Euro (Härtefall: 1.918 Euro)

Pflegende Angehörige oder andere nichtprofessionelle Helfer können Zuschüsse zur Unfall-, Haftpflicht- oder Rentenversicherung erhalten. Bei Urlaub, Krankheit oder wenn sie aus sonstigem Grund verhindert ist, kann sich die Pflegeperson bis zu vier Wochen im Jahr vertreten lassen. Die Pflegekasse zahlt für einen entsprechenden Ersatz. Außerdem haben Angehörige bei der jeweiligen Pflegekasse Anspruch auf kostenlose Schulungskurse zu Pflege und Betreuung.

Was Sie bei der Beantragung einer Pflegestufe beachten sollten

  • Erster Ansprechpartner ist Ihre Pflegekasse, beziehungsweise das zuständige Sozialamt. Dort erhalten Sie auch das Antragsformular für eine Pflegestufe.
  • Seit dem 1. Januar 2009 haben gesetzlich versicherte Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung durch einen professionellen Pflegeberater. Viele ambulante Pflegeeinrichtungen bieten diesen Service kostenlos an. Aber auch Ihre Pflegekasse oder Pflegestützpunkte in Ihrer Nähe helfen Ihnen weiter.
  • Die Richtlinien für die einzelnen Pflegestufen werden von der Pflegekasse festgelegt und können hier heruntergeladen werden.
  • Überprüfen Sie, ob die Schwere Ihrer Hilfsbedürftigkeit mindestens den Kriterien der Pflegestufe I entspricht.
  • Sammeln Sie alle Unterlagen, mit denen Sie Ihre Pflegebedürftigkeit nachweisen können: Zum Beispiel Gutachten, Befunde, Röntgenbilder und Arztbriefe.
  • Führen Sie ein Pflegetagebuch. Halten Sie alle Situationen fest, in denen Sie Hilfe benötigt oder Pflegeleistungen in Anspruch genommen haben. Notieren Sie auch alle sonstigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
  • Beim Begutachtungstermin durch den MDK sollte Sie jemand begleiten, der fachkundig ist und auch Ihre persönliche Pflegesituation kennt.
  • Wird Ihr Antrag abgelehnt, können Sie innerhalb der nächsten vier Wochen dagegen Einspruch erheben.

Die wichtigsten Neuerungen zur Pflegeversicherung ab 2013

Zum 01.01.2013 tritt das "Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz" (PNG) in Kraft. Dadurch erhöhen sich in erster Linie die Leistungen für demenzkranke Menschen. Außerdem wird die Gründung ambulanter Pflege-Wohngruppen bezuschusst. In diesen können Pflegeleistungen für mehrere Betroffene gebündelt werden. Pflegebedürftige WG-Bewohner erhalten pro Monat bis zu 200 Euro an finanzieller Unterstützung. Der Zuschuss für neu gegründete Pflege-WGs beläuft sich auf bis zu 10.000 Euro, beispielsweise für notwendige Umbaumaßnahmen. Für pflegende Angehörige soll es künftig leichter werden, eine kürzere Auszeit zu nehmen, etwa wenn sie krank sind oder in den Urlaub gehen. Außerdem wird die freiwillige private Zusatzvorsorge künftig vom Staat gefördert. Im Gegenzug steigen die Beitragssätze für gesetzlich Versicherte um 0,1 Prozent. Privatversicherte sind davon nicht betroffen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit.


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