Informationen zu Depressionen, Demenz und anderen Begleit-Erkrankungen

Psychische Komplikationen bei Parkinson

05.06.2012 - In allen Phasen des Parkinson kann es zu psychischen Auffälligkeiten kommen. Je frühzeitiger diese Anzeichen erkannt werden, desto eher können sie vom Arzt behandelt und so ungünstige Entwicklungen vermieden werden. Wir informieren über die wichtigsten psychischen Komplikationen und geben Tipps für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt und wie Menschen mit Parkinson sowie deren Angehörige manche Schwierigkeiten im Alltag meistern können.

Informationen zu Depressionen, Demenz und anderen Begleit-Erkrankungen - Psychische Komplikationen bei ParkinsonJe früher psychische Komplikationen erkannt werden, desto besser kann man sie behandeln. Bild: iStockphoto


Depression

Unter dem Begriff Depression wird häufig verstanden, dass ein Mensch unglücklich, traurig, manchmal auch weinerlich und auch oft missmutig ist – sich zurückzieht, „in der Ecke“ sitzt und sein Leben beklagt. Ein Zustand also, der uns allen geläufig ist, aber meist als Laune abgetan wird. Ärzte verstehen aber unter dem Begriff Depression eben nicht nur eine meist vorübergehende Verstimmung, sondern eine eigenständige Krankheit, die gekennzeichnet ist durch

  • mehr als zwei Wochen anhaltende Niedergeschlagenheit,
  • das Gefühl der Leere,
  • Antriebs-, Lust - und Freudlosigkeit,
  • die Schwierigkeit, sich zu etwas entscheiden zu können,
  • weitere Symptome sind Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, besonders mit sehr frühem Erwachen am Morgen


Schwere Depressionen (sog. Major Depression) sind bei Parkinson eher selten. Selbstvorwürfe, Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld und Versagen erleben depressive Menschen mit Parkinson weniger.

Die Unterscheidung zwischen Parkinson und einer Depression kann besonders zu Beginn einer dieser beiden Erkrankungen sehr schwierig sein, weil sich die Symptome oft überlappen. Depressive Symptome können anfangs Reaktionen auf die Diagnose Parkinson sein und durch kompetente ärztliche Beratung gemildert werden.

Rund die Hälfte aller Parkinson-Erkrankten bekommt auch eine Depression. Da sich beide Erkrankungen in wesentlichen Symptomen ähnlich sind, wird die Möglichkeit einer begleitenden Depression mitunter erst spät in Erwägung gezogen. Sprechen Sie deshalb unbedingt Ihren Arzt an, wenn Sie unter Traurigkeit, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit, Zurückgezogenheit, Gedanken an den Tod, Schlafstörungen und ähnlichen Symptomen leiden. Er kann prüfen, ob es sich bei Ihnen um eine Depression handelt und therapeutische Maßnahmen einleiten.

Demenz
Unabhängig von Parkinson steigt im Alter das Risiko an Demenz zu erkranken an. Menschen mit Parkinson sollen ein höheres Demenzrisiko haben, glücklicherweise bleiben aber viele auch nach jahrzehntelanger Erkrankungsdauer völlig symptomfrei.

Ähnlich wie bei der Depression werden Parkinson-Symptome oft als Ausdruck einer Demenz verkannt. Mimik und Gestik erleichtern die Kommunikation und Verständigung mit anderen Menschen. Bei Parkinson ist diese Möglichkeit vermindert. So ist die Versuchung groß, aus diesem eingeschränkten Ausdrucksvermögen möglicherweise auf eine Depression oder Demenz zu schließen oder beides zu „übersehen“.

Typischerweise ist das Parkinson-Demenzsyndrom durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Verlangsamung der Wahrnehmung und der motorischen Leistungen
  • Gedächtnisstörungen mit erschwerten Abrufleistungen bei meist relativ gutem Wiedererkennen
  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Störungen der Wortflüssigkeit
  • Verlangsamung des Denkens

Die Entwicklung von Plänen und sinnvollen Problemlösungen, das Abschätzen von Risiken sowie das Lernen aus Fehlern, aber auch die Fähigkeit, eigene Aktivitäten flexibel an die Außenbedingungen anzupassen, sich also weder zu überfordern noch sich zu unterfordern, fallen bei beginnender Demenz-Erkrankung schwer. Routineabläufe funktionieren meist noch gut, so dass Defizite anfänglich oft nicht erkannt werden und erst in fremder Umgebung (z. B. im Urlaub) auffallen.

Sie können Ihren Arzt auf einen Demenztest ansprechen, der Klarheit verschafft, ob Sie davon betroffen sind.

Psychosen
Psychosen sind psychische Störungen, die durch einen mitunter tiefgreifenden Wandel im Erleben der Umwelt und des eigenen Ichs gekennzeichnet sind. Die Ursachen dafür können entweder körperlich begründbar, d. h. durch organische Veränderungen im Gehirn, oder aber nichtorganisch sein. Psychosen bei Parkinson-Erkrankten sind gekennzeichnet durch optische Fehlwahrnehmungen oder Trugbilder, seltener akustische Halluzinationen. Diese können auch zu Angst, Panik und damit verbundenen Fehlhandlungen führen.

Halluzinationen
Halluzinationen sind Wahrnehmungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Man sieht Bilder oder Szenen, hört Stimmen oder spürt Berührungen. Treten spontane Halluzinationen sehr früh auf, möglicherweise noch vor einer medikamentösen Therapie, sprechen sie eher für ein atypisches Parkinson-Syndrom (Lewy-Körper-Erkrankung). Sie können aber auch unter einer Dopamin ersetzenden Therapie auftreten, insbesondere, wenn eine Allgemeinerkrankung besteht (z. B. Fieber, Entwässerung), bei Vorliegen einer Demenz oder in zunehmendem Alter – vor allem dann, wenn zu wenig getrunken wird.

Halluzinationen und auch zunehmend lebhafte Träume/Alpträume können Nebenwirkungen der Parkinson-Medikation sein. Wenn Sie solche Veränderungen feststellen, besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt. In vielen Fällen hilft schon eine Umstellung der Medikamente.

Für Angehörige
Halluzinationen geben oft Anlass für Streit, da der Parkinson-Erkrankte davon überzeugt ist, dass seine Wahrnehmungen der Realität entsprechen. Der Versuch, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, führt meist dazu, dass sich Menschen mit Parkinson unverstanden und auch nicht ernst genommen fühlen. Obwohl solche Wahrnehmungen nicht immer hingenommen werden sollten, ist es oft möglich, dem Erkrankten die Sicherheit zu geben, alles sei in Ordnung und man habe gemeinsam alles unter Kontrolle. Sanftes körperliches Berühren und Wegführen kann oft in die Wirklichkeit zurückbringen.

Angst- und Panikattacken
Angst kann entstehen, wenn der Erkrankte sich um seine Zukunft Sorgen macht und negative Vorstellungen von der Entwicklung der Erkrankung hat. In solchen Fällen ist ein vertrauensvolles ärztliches Gespräch sehr wichtig, weil es trotz der Erkrankung gute Gründe gibt, hoffnungsvoll und aktiv zu bleiben.

Angst- und Panikattacken beginnen plötzlich mit Herzjagen, Brustschmerzen, Atemnot bis hin zu Erstickungsgefühlen und Schweißausbrüchen, woraus die Furcht entstehen kann, jegliche Kontrolle zu verlieren und zu sterben. Bei fortgeschrittenem Parkinson kann es insbesondere in den OFF-Phasen, aber auch in unerwartet vorkommenden „Freezing-Perioden“, zu solchen Panikattacken kommen. Auch die bei Parkinson-Erkrankten häufig beobachtete erhöhte Irritierbarkeit durch Außenreize kann die Angstschwelle senken und damit Panikattacken schneller als bei Gesunden auslösen.

Es gibt hilfreiche Strategien, mit denen Sie Angst- und Panikepisoden entgegenwirken können:

  • Versuchen Sie, sich der Angst zu stellen.
  • Vermeiden Sie nicht eventuell angstauslösende Situationen.
  • Sagen Sie sich: "Auch wenn ich jetzt Herzjagen, Atemnot, Schwitzen erlebe, ich atme ruhig durch, gleich ist alles wieder vorbei."
  • Beobachten Sie, wie die Angst von selbst wieder abnimmt.
  • Nehmen Sie sich in Angstsituationen Zeit. Autogenes Training oder andere Entspannungsübungen können helfen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann auch spezielle Verhaltenstherapien empfehlen.

Impulskontrollstörungen
Auch die Parkinson-Medikamente, die zu einer sehr wesentlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen, können Nebenwirkungen haben, die Konflikte nach sich ziehen können. Dazu gehören Störungen der Impulskontrolle. Hierunter versteht man wiederholte Handlungen ohne eine „vernünftige“ Motivation, wie das pathologische Spielen, das Kramen und Sortieren von Gegenständen (so genanntes Punding) sowie Störungen des Sexualverhaltens (Hypersexualität).

Das pathologische Spielen ist dadurch gekennzeichnet, dass es durch häufiges und wiederholtes Glücksspiel die Lebensführung des Betroffenen beherrscht und zu einem Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt. Jüngere Parkinson-Erkrankte und solche, die schon frühzeitig psychische Auffälligkeiten zeigen bzw. bei denen in der Familienanamnese ein Alkoholismus bekannt ist, scheinen dahingehend gefährdeter zu sein.

Das Punding (kommt aus dem Schwedischen und bedeutet "blockierter Kopf“) ist charakterisiert durch ständiges, stereotypes, meist unproduktives Aufräumen, permanentes Sammeln und Ordnen von Gegenständen, auch von Aufzeichnungen, wiederholtes Auseinandernehmen von technischen Geräten. End- und zielloses Umherfahren mit dem Auto, aber auch nicht enden wollende Monologe in Gesprächen können dazu gehören.

In der Regel ist es nicht sehr hilfreich, das Punding zu "verbieten" oder es immer wieder zu kritisieren. Vielmehr sollte nach gemeinsamen, sinnvolleren und auch kommunikativeren Aktivitäten gesucht werden.

Mit Störung des Sexualverhaltens ist meist Hypersexualität, also ein gesteigertes sexuelles Bedürfnis gemeint, aber auch abnormes sexuelles Verhalten (z. B. Exhibitionismus) kann vorkommen. Jüngere Parkinson-Erkrankte, insbesondere solche, die mit höheren Dosen von Dopaminagonisten behandelt werden, sind häufiger betroffen. Aber auch bei älteren Männern, die unter Demenz-Symptomen leiden, können sich sexuelle Enthemmungen entwickeln, die zu erheblichen Konflikten führen können.


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