Verreisen mit Parkinson

Ratgeber für die schönsten Wochen im Jahr

01.09.2011 - Menschen mit Parkinson müssen und sollten nicht auf das Verreisen verzichten. Reisen kann den Horizont erweitern und eine Möglichkeit sein, wieder neue Kraft für den Alltag zu tanken.

Thema des Monats - Verreisen mit Parkinson

Sie sollten Ihre Reise in jedem Fall gut planen, auch im Hinblick darauf, wie weit Ihre Parkinson-Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Wir zeigen Ihnen, auf was Sie vor und während der Reise achten können, damit Ihr Urlaub noch lange in guter Erinnerung bleibt und Sie erholt nach Hause kommen.


Allgemeine Überlegungen   •   Reiseziele und Transport   •  Reisevorbereitung   •   Am Urlaubsort   •   Auslandsreisen


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Allgemeine Überlegungen vor und während Ihrer Reise

Grundsätzlich sollten Sie bei der Planung und Vorbereitung eines größeren Urlaubs Ihren behandelnden Arzt mit einbeziehen, denn er kennt Sie und den möglichen Verlauf Ihrer Erkrankung am besten. Gemeinsam mit ihm können Sie die Reise Ihrem gegenwärtigen Gesundheitszustand anpassen. Ihr Arzt kann Empfehlungen für die beste Reisezeit und geeignete Reiseziele aussprechen und zusätzlich wertvolle Ratschläge geben, welche Dinge Sie bei der Vorbereitung Ihres Urlaubs beachten sollten.

Die Parkinson-Erkrankung ist kein Hindernis, aktiv zu bleiben, neue Länder zu besuchen, fremde Städte und Landschaften zu entdecken. Aufgrund der Charakteristik von Parkinson kann es jedoch  zu einer Reihe von erkrankungsbedingten Einschränkungen auf der Reise kommen – diese sollten Sie kennen und in Ihre Überlegungen mit einbeziehen:

  • Bedingt durch die Parkinson-Erkrankung kann der Körper in manchen Fällen die eigene Temperatur weniger gut regulieren. Dadurch kann es in Regionen mit sehr heißem Klima zu gesundheitlichen Schwierigkeiten, z. B. einer Überhitzung des Körpers, kommen.
  • Bei Patienten mit Fehlfunktion der Kreislaufregulation (sog. orthostatische Hypotonie oder Dysregulation, d.h. der Blutdruck fällt im Stehen ab) besteht bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit zusätzlich das Risiko eines Kreislaufkollapses.
  • Auch extreme Kälte kann sich negativ auswirken, denn sie steigert Muskelverspannungen, Rigor und Tremor und erschwert so die Anpassung an das veränderte Klima.
  • Stress verursacht durch Rundreisen, eine ungewohnte Umgebung, Zeitnot, große Menschenmengen und räumliche Enge – zum Beispiel bei Besichtigungen – oder körperliche Anstrengung sind Faktoren, die die Symptome von Parkinson vorübergehend verstärken können.
  • Reisedurchfall und ungewohntes Essen können die Wirkung von Medikamenten vermindern.
  • Der Organismus eines Menschen mit Parkinson braucht möglicherweise etwas länger, bis er sich auf eine andere Zeitzone umstellt. Dadurch kann es zum Beispiel unbewusst zu Verschiebungen der Einnahmezeiten von Medikamenten kommen. Bitte sprechen Sie rechtzeitig vor der geplanten Reise mit Ihrem Neurologen darüber, wie Sie im Falle einer Zeitverschiebung im Urlaub Ihre Medikamente einnehmen sollen.

Nicht in das Schneckenhaus zurückziehen – das ist das Lebensmotto von Ernst Geweke. Er erkrankte Ende der 1980er Jahre an Parkinson und hat seitdem viele Reisen auch in ferne Länder gemacht. Sein zehnjähriges "Parkinson-Jubiläum" beging er zum Beispiel auf einem Segelschiff in der Karibik. Über die Erfahrungen und seine Eindrücke unterwegs hat er ein Buch geschrieben. Mit seinen Reise-Berichten möchte Geweke Menschen mit Parkinson ermuntern, zu reisen, um sich an den Schönheiten dieser Welt zu erfreuen.

Unser Buchtipp für Sie
Ernst Geweke: Parkinson ist mein Leben? oder
Ein Leben mit Parkinson
, 2001, Books on Demand GmbH,  ISBN-10: 3831107548, ISBN-13: 9783831107544

Reiseziele und Transport zum Urlaubsort

Im Grunde können Sie nahezu jedes Urlaubsziel wählen, abhängig davon, wie weit Ihre Parkinson-Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Nachfolgend geben wir Ihnen einige Tipps zur Auswahl des passenden Reiseziels und Informationen hinsichtlich des Transports zum Urlaubsort:

  • Mehrtägige Aufenthalte an einem Ort bieten mehr Entspannung und sorgen für weniger Stress als Reisen, bei denen zum Beispiel mehrere Städte in wenigen Tagen besucht werden.
  • Angenehm sind Schiffsreisen bei schönem Wetter: An den Tagen, an denen das Schiff unterwegs ist, kann man sich von den Ausflügen an Land ausgiebig erholen.
  • Sehr heiße Klimazonen sollten Sie besser meiden, da der Körper bei hohen Temperaturen aufgrund der Erkrankung die eigene Temperatur manchmal weniger gut regulieren kann.
  • Günstig für den Organismus sind mäßig warme Regionen. Angenehm ist zum Beispiel eine Reise in das milde Klima der spanischen Inseln, wenn in Deutschland kalter Winter ist.
  • Für weiter entfernt liegende Ziele sollte auch innerhalb Europas das Flugzeug dem Auto oder Bus aufgrund der geringeren Reisedauer vorgezogen werden.
  • Wenn Sie mit dem eigenen Auto fahren, planen Sie Ihre Route am besten mit kurzen Fahrstrecken und längeren Pausen zur Erholung. Eine Klimaanlage im Auto macht die Fahrt weniger anstrengend.



Reisevorbereitung

Eine sorgfältige und gut überlegte Vorbereitung ist die beste Garantie, dass der Urlaub für Sie erholsam wird und in guter Erinnerung bleibt. Haben Sie dabei immer Ihre eigenen Bedürfnisse und Ihre physische und psychische Leistungsfähigkeit im Blick. Lassen Sie sich bei der Vorbereitung von Ihren Angehörigen und Ihrem Arzt helfen und räumen Sie gemeinsam schon im Vorfeld so viele Stolpersteine wie möglich aus dem Weg.

  • Für Fragen zur behindertengerechten Ausstattung am Urlaubsort ist das Reisebüro oder der Reiseveranstalter der beste Ansprechpartner. Erkundigen Sie sich, ob spezielle Zimmer für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen angeboten werden. Im Reisebüro kann man Ihnen auch Auskunft über die medizinische Versorgung vor Ort geben.
  • Bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern können Sie spezielle Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit buchen. Kümmern Sie sich zeitig darum, denn diese Plätze sind begrenzt. Die Fluggesellschaften transportieren nur eine begrenzte Anzahl an Passagieren mit Mobilitätseinschränkungen. Rechtzeitig angefragt, werden Ihnen für lange Wegstrecken auf Flughäfen sogar Rollstühle mit einer Begleitperson zur Verfügung gestellt.
  • Fragen Sie bei Ihrem Reiseveranstalter auch nach Parkplätzen in der Nähe des Terminals bzw. des Hotels – so können Sie sich Ihre Wege bequem verkürzen.
  • Denken Sie bei der Zusammenstellung Ihres Reisegepäcks daran, dass Sie und Ihre Begleitperson Koffer und Taschen allein bewältigen müssen. Wird Ihr Urlaubsgepäck zu umfangreich, können Sie bestimmte Dinge in einem Paket zum Hotel vorschicken.
  • Beim Packen sollten Sie auch an Ihre Hilfsmittel für den Alltag, zum Anziehen und die Körperpflege denken. Nehmen Sie das mit, was Ihnen wichtig ist.
  • Besonderes Augenmerk gilt den Medikamenten: Nehmen Sie  möglichst mehr Medikamente mit, als Sie für die Dauer des Aufenthalts benötigen. Grundsätzlich sollten Sie diese während der  Anreise im Handgepäck verstauen. Führen Sie unterwegs immer eine Notfall-Ration mit sich. Was Sie grundsätzlich in punkto Medikamente bei Reisen ins Ausland beachten sollten, erfahren Sie im entsprechenden Abschnitt „Auslandsreisen“. (Verlinkung zu Auslandsreisen s.u.)
  • Besprechen Sie die Reise mit Ihrem Arzt: Falls erforderlich, passt Ihr Neurologe den Einnahmeplan Ihrer Medikamente an und klärt mit Ihnen, welche veränderten Parkinson-Symptome und mögliche gesundheitlichen Probleme auf Sie zukommen könnten. Für den Notfall kann er Ihnen auch Adressen von Ärzten und Kliniken am Urlaubsort nennen.
  • Schließen Sie eine Reiserücktrittsversicherung für sich selbst und Mitreisende ab. Falls sich Ihr gesundheitlicher Zustand zwischen Buchung und Reiseantritt in unvorhersehbarer Weise verändert, können Sie die Reise ohne finanzielle Einbußen stornieren.

Spezielle Reiseveranstalter haben sich auf die Organisation und Durchführung von Reisen für Menschen mit chronischen Erkrankungen spezialisiert und sind auch für Menschen mit Parkinson ein hilfreicher Partner. Sie wählen Hotels aus, die unter medizinischen Gesichtspunkten geeignet sind. Auch der Transport zum Urlaubsort und der Aufenthalt sind auf die Bedürfnisse der Klienten abgestimmt. In vielen Fällen wird die Reise auch von medizinisch geschultem Personal begleitet. Informationen zu solchen Reiseveranstaltern erhalten Sie bei Parkinson-Organisationen und Selbsthilfegruppen.
Entsprechende Adressen und Links haben wir im Bereich Service für Sie zusammen gestellt.

Am Urlaubsort

Endlich angekommen! Jetzt soll Sie nichts mehr von Ihrer wohlverdienten Erholung abhalten. Auch dazu geben wir Ihnen einige Empfehlungen:

  • Das oberste Gebot sollte lauten: wenig Stress und Aufregung. Lassen Sie es langsam angehen, denn schließlich sind Sie im Urlaub. Die ersten Tage sollten Sie für das „Ankommen“ nutzen, sich viel ausruhen, sich mit den Gegebenheiten im Hotel und der näheren Umgebung anfreunden. Für Ausflüge und Besichtigungen ist später immer noch Zeit.
  • Nutzen sie Ausflüge, Wellness-Angebote, sportliche und andere Freizeitaktivitäten am Urlaubsort. So lernen Sie leichter andere Menschen kennen, entdecken Neues und erweitern Ihren Horizont. Lassen Sie sich jedoch von der Fülle der Angebote nicht drängen, sondern haben Sie dabei auch immer Ihre eigenen Bedürfnisse im Blick und denken Sie an genügend Ruhepausen.
  • Vielleicht nutzen Sie die Zeit im Urlaub auch, um sich mit einem neuen Hobby zu beschäftigen. Oft werden am Urlaubsort Kurse für Malen, Fotografieren und andere künstlerische Aktivitäten angeboten. Derartige Beschäftigungen können nicht nur ein schönes und erfüllendes Hobby sein, sondern fördern auch die Feinmotorik und halten Sie geistig fit.

Anbieter wie z. B. Medikultur haben sich darauf spezialisiert, Menschen zu begleiten, die im Urlaub medizinische und/oder pflegerische Betreuung benötigen. Oft wird auch die Organisation der Reise übernommen. Falls Sie pflegebedürftig sind, übernimmt die Pflegekasse im Rahmen der Verhinderungspflege pro Jahr Kosten in Höhe von maximal 1510 Euro.  Mit diesem Betrag kann zum Beispiel eine professionelle Begleitung mit Ihrer Betreuung im Urlaub beauftragt werden, wenn die häusliche Pflegeperson selbst Urlaub machen möchte. Zusätzliche Betreuungsleistungen können nach § 45b Abs. 1 SGB XI in Anspruch genommen werden.

Auslandsreisen

Planen Sie eine Urlaubsreise ins Ausland, sollten Sie folgende zusätzliche Tipps beachten:

  • Erkundigen Sie sich schon während der Reisevorbereitung, welche Leistungen Ihre Krankenkasse im Urlaubsland übernimmt. Eventuell müssen Sie eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung abschließen. Diese erhalten Menschen mit Parkinson häufig nur zu kostspieligen Bedingungen oder mit Einschränkungen. Holen Sie sich mehrere Angebote ein, vergleichen Sie genau und lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder der Krankenkasse beraten, welche Leistungen nötig sind.
  • Erkundigen Sie sich über Einfuhrbestimmungen für Medikamente. Ihr Arzt kann Ihnen eine Bescheinigung ausstellen, aus der hervorgeht, dass Sie diese Medikamente mit sich führen müssen.
  • Bei Notfällen ist ein Dokument hilfreich, aus dem Ihre Diagnose und genaue Medikation hervorgeht. Auch die Namen der Medikamente (einschließlich der Angabe des ausländischen Handelsnamen und Wirkstoffs) sollte verzeichnet sein – so kann man Ihnen beim Arzt oder in der Apotheke schneller helfen.
  • Bei Reiseveranstaltern, den deutschen Botschaften oder Ihrem Neurologen können Sie auch eine Liste mit deutschsprachigen Ärzten und Kliniken im Urlaubsland anfordern.
  • Zeitumstellung, Klima und ungewohntes Essen können Menschen mit Parkinson Schwierigkeiten machen. Doch auch diese lassen sich meistern. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wann Sie im Falle einer Zeitumstellung Ihre Medizin einnehmen sollten, was Sie bei Symptom-Verstärkungen und gesundheitlichen Problemen unabhängig von Ihrer Parkinson-Erkrankung tun können.
    Ihr behandelnder Arzt berät Sie auch, ob zusätzliche Schutzimpfungen für Ihr Reiseland nötig sind und wie Sie sich am besten auf die klimatischen Verhältnisse einstellen.
  • Verständigungsschwierigkeiten können Sie vorbeugen, wenn Sie die wichtigsten mit Parkinson zusammenhängenden Redewendungen in der Landessprache lernen bzw. sich diese aufschreiben und immer bei sich haben. So können Sie bei Schwierigkeiten im Urlaubsland Ihre Situation erklären und in Notfällen um Hilfe bitten.

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