Schluckstörungen bei Menschen mit Parkinson

So essen Sie richtig und genussvoll

18.10.2012 - Für gesunde Menschen ist Schlucken ein selbstverständlicher Vorgang - für Parkinson-Erkrankte kann dieser jedoch vor allem bei der Nahrungsaufnahme zum alltäglichen Problem werden. In unserem Ratgeber erfahren Sie, warum das so ist, was Sie bei der Zubereitung Ihrer Mahlzeiten beachten sollten und welche Tricks es gibt, die Ihnen das Essen erleichtern.
Schluckstörungen bei Menschen mit Parkinson - So essen Sie richtig und genussvoll
Trotz Schluckstörungen kann Essen auch für Menschen mit Parkinson ein Genuss sein. Foto: iStockphoto

Das Schlucken ist ein komplexer Vorgang: Rund 50 Muskeln, die von sechs Nerven gesteuert werden, sind daran beteiligt, die aufgenommene und im Mund zerkleinerte Nahrung in die Speiseröhre zu befördern. Der gesunde Mensch kaut und schluckt, ohne diesen Prozess wahrzunehmen. Aus verschiedenen Gründen kann das Schlucken jedoch gestört sein. So kann zum Beispiel nach einer Betäubung beim Zahnarzt das Kauen und Schlucken aufgrund der fehlenden Sensibilität noch einige Stunden später schwierig sein. Problematisch kann das Schlucken auch werden, wenn neben dem Essen etwas anderes gemacht wird. "Beim Essen spricht man nicht": Diese Regel für Kinder sollte man durchaus auch im Erwachsenenalter noch beherzigen.

Wenn das Schlucken gestört ist, kann der Speisebrei statt in die Speiseröhre in die Luftröhre rutschen. Dieser Vorgang wird Aspiration genannt und kann zu Atemstörungen oder längerfristig zu immer wiederkehrenden Lungenentzündungen führen.

Bei Parkinson-Erkrankten treten Schluckstörungen vorwiegend im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Der Transport der Nahrung wird erschwert, weil die Beweglichkeit der Zunge und des Kehlkopfes eingeschränkt sind. Auch Probleme bei der Einspeichelung der Nahrung, ein verspätetes Auslösen des Schluckaktes durch "Starterblockaden" oder ein unkontrolliertes Schlucken aufgrund eines Tremors können Ursachen dafür sein. Schwankungen in der Beweglichkeit, die nach längerer Einnahme von Medikamenten auftreten können (sogenannten "Fluktuationen" mit On- und Off-Phasen), beeinträchtigen die Koordination der Schluckmuskulatur möglicherweise zusätzlich.

Schluckstörungen äußern sich durch folgende Symptome:

  • Speichel oder Essensreste fließen aus dem Mund oder sammeln sich dort an
  • Häufiges Verschlucken, Husten und Würgen während des Essens oder unmittelbar danach
  • Mehrfach auftretende Lungenentzündungen
  • Lässt man den Patienten nach dem Schlucken von Flüssigkeit laut ein "A" oder ein "I" sprechen, klingt dies meist verwaschen und unklar

Gesunde Ernährung
Menschen mit Parkinson benötigen keine gesonderte Ernährung oder Diät. Achten Sie darauf, sich gesund, abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Essen Sie bewusst und das, was Ihnen schmeckt. Ausführliche Informationen zum Thema und Rezeptvorschläge finden Sie auf unserer Webseite im Bereich Ernährung.

Ernährung bei Schluckstörungen
Wer als Parkinson-Erkrankter an Schluckstörungen leidet, sollte sich schon bei der Zubereitung der Mahlzeiten auf diese Umstände einstellen. Dabei kommt es nicht auf die Zusammensetzung der Nahrungsbestandteile an, sondern vielmehr auf ihre Konsistenz. Diese sollte so beschaffen sein, dass sie das Schlucken erleichtern. Brei und passierte Kost sind am leichtesten zu schlucken. Wesentlich schwieriger ist es, Flüssigkeiten oder gemischte Konsistenzen zu sich zu nehmen, zum Beispiel Suppe mit Einlage oder Kekse mit Schokolade und Nüssen. Hier besteht die Gefahr der Aspiration. Bei Schluckstörungen sollte die Nahrung möglichst nicht körnig, trocken oder hart sein. Denn diese Nahrungsmittel sind schwer zu kauen beziehungsweise nur schlecht kontrollierbar.

Versuchen Sie, Essen und Trinken zu trennen. Die Nahrung sollte immer erst vollständig hinuntergeschluckt werden, bevor getrunken wird. Als Getränke eignen sich vor allem Wasser ohne Kohlensäure und Kamillentee. Diese Substanzen sind weniger aggressiv und führen beim eventuellen Verschlucken zu keinen wesentlichen Schäden im Luftröhrensystem oder in der Lunge. Saure Fruchtsäfte, Kaffee oder Früchtetees können dagegen zu Schleimhautverletzungen in der Lunge führen und erhöhen somit das Risiko einer Lungenentzündung.

Generelle Ernährungs- und Zubereitungstipps

  • Wählen Sie möglichst Nahrungsmittel, die Widerstand geben beim Abbeißen. Sie sollten etwas zum Kauen haben. Es sei denn, pürierte Kost bereitet Ihnen weniger Schwierigkeiten
  • Säuerliches fördert die Speichelbildung
  • Speise probieren und eventuell nachwürzen (lassen)Klare Temperierung wählen: kalt oder warm
  • Versuchen Sie, die Konsistenz der Speisen und Getränke zu verändern. Durch Zuführen von Andickungspulver lassen sich verschiedene Konsistenzen herstellen: von dickflüssig über nektarartig bis sirup- oder puddingartig
  • Feste Nahrung kann durch Zerkleinern, Pürieren oder Sieben weicher zubereitet werden. Probieren Sie verschiedene homogene Konsistenzen (bissfest – weich mit Kauanreiz – butterweich – dicker Brei – dünner Brei) aus, um zu sehen, womit Sie am besten zurechtkommen
  • Mischkonsistenzen vermeiden, d. h. keine Suppen mit Einlagen, Joghurt mit Fruchtstücken, Quark mit Schnittlauch etc.
  • Als Bissgröße beziehungsweise Schluck sind 5 Milliliter (entspricht einem gehäuften Teelöffel) empfehlenswert

Rezeptvorschlag: Zucchinisuppe mit Krabben

Rezeptvorschlag: Zucchinisuppe mit KrabbenZutaten für 4 Personen:
1 Liter Gemüsebrühe
2 große Kartoffeln
500 Gramm Zucchini
½ Becher Sahne
Salz, weißer Pfeffer
100 Gramm Krabben (vorgegart)


Die Gemüsebrühe in einem Topf erhitzen. Die Kartoffeln und Zucchini schälen und in Würfel schneiden. Die Kartoffel- und Zucchiniwürfel zur Brühe geben und 15 Minuten köcheln lassen, mit dem Stabmixer pürieren. Die Sahne hinzufügen und die Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die vorbereiteten Krabben dazugeben. Wenn Sie Probleme beim Schlucken haben, können Sie die Krabben auch in der Suppe pürieren.

Essregeln bei Schluckstörungen
Damit das Schlucken und folglich das Essen für Sie leichter von der Hand geht, sollten Sie sich an folgende Regeln halten:

  • Nur im Sitzen in aufrechter Haltung essen und trinken!
  • Beim Essen und Trinken nicht sprechen!
  • Trennen Sie Essen und Trinken. Es sei denn, Sie benötigen das Nachtrinken zum Entleeren der Reste.
  • Nehmen Sie nur kleine Bissen und Schlucke auf einmal, kauen Sie gut und lassen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Kopf beim Schlucken leicht vorbeugen – nicken!
  • Nach dem Schlucken kräftig räuspern oder husten und trocken nachschlucken! Stimmklang auf "A" kontrollieren!
  • Leeren Sie den Mund ganz, bevor ein neuer Bissen oder Schluck genommen wird!
  • Sorgen Sie für eine gute Mundpflege nach jedem Essen. Eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche können möglicherweise Lungenentzündungen durch Aspiration von Bakterien aus der Mundhöhle verhindern. Lassen Sie sich bei der Mundpflege helfen!
  • Nach dem Essen noch etwa 20 Minuten aufrecht sitzen bleiben!

Das Schlucken trainieren
Es gibt eine ganze Reihe Übungen, mit denen bestehende Schluckstörungen gelindert oder gar überwunden werden können. Diese können Sie – eventuell nach Anleitung durch einen speziellen Therapeuten - zu Hause eigenständig durchführen. Im Bereich Schlucken und Sprechen auf unserer Webseite haben wir diese für Sie zusammengestellt.

Einnahmetricks für Medikamente
Häufig legen Parkinson-Erkrankten ihre Tagesvorhaben in die Stunden, in denen die maximale Medikamentenwirkung besteht. Dies sollte auch beim Essen berücksichtigt werden. Bei optimaler Medikamentenwirkung geht auch das Schlucken besser und das Risiko des Verschluckens wird deutlich reduziert.

Bei L-Dopa-Medikamenten sollte beachtet werden, dass sie nie zusammen mit eiweißhaltiger Nahrung eingenommen werden dürfen. Verwenden Sie daher bei Schluckproblemen für die Einnahme Ihrer L-Dopa-haltigen Medikamente keinen Joghurt, sondern Apfel- oder Obstmus. Nehmen Sie Ihre Tablette(n) mit ausreichend Mus ein. Falls notwendig, können Sie danach schluckweise ein wenig Wasser trinken.

Je nach Schweregrad der Schluckprobleme gibt es verschiedene Möglichkeiten der Tabletteneinnahme: So kann die Tablette als Ganzes oder zerteilt in Obstmus eingerührt, oder mit Wasser eingenommen werden. Es ist auch möglich, die Tablette fein zu zermörsern und dann erst in das Obstmus einzurühren.

Grundsätzlich sollten L-Dopa-Medikamente eine halbe Stunde vor, beziehungsweise eineinhalb Stunden nach dem Essen eingenommen werden.

Ob Ihre jeweiligen Tabletten zum Zerteilen und Einrühren in Obstmus geeignet sind, besprechen Sie bitte vorher mit Ihrem behandelnden Neurologen oder Apotheker. Retard-Tabletten sind für ein Zerteilen oder Zermörsern beispielsweise nicht geeignet.


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