Smartphone-Apps

Digitale Helfer für Menschen mit Parkinson

09.04.2013 - Sie suchen nach einer passenden Erinnerungsfunktion für die pünktliche Tabletteneinnahme, einer Möglichkeit zur täglichen Kontrolle Ihres Tremors oder hilfreiche Video-Anleitungen für Ihr persönliches Übungsprogramm zuhause? Ganz einfach, fragen Sie doch Ihr Mobiltelefon. Im Gesundheitsbereich werden immer mehr Anwendungsprogramme, sogenannte "Apps", für Smartphones oder andere mobile Endgeräte entwickelt. Darunter auch eine ganze Reihe, die speziell für Menschen mit Parkinson konzipiert wurden. Hier ein kurzer Überblick über Angebot und Möglichkeiten der Apps zum Thema Parkinson.

Smartphone-Apps - Digitale Helfer für Menschen mit Parkinson. ©nyul /123RF.COMEs gibt immer mehr Apps für das Smartphone, die speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurden. Bildquelle: 123RF


Im Alltag vieler Menschen mit Parkinson und ihrer Angehörigen gilt es oftmals, den Überblick nicht zu verlieren: Wann müssen welche Tabletten eingenommen werden, wann steht der nächste Termin beim Neurologen an oder welche Apotheke hat dieses Wochenende Notdienst? Hilfreich können dabei mobile Anwendungsprogramme ("Apps") sein, die man im Internet auf sein Mobiltelefon herunterladen kann. Im Gesundheitsbereich werden immer mehr solcher hilfreicher Anwendungen angeboten. Einige leisten auch bei chronischen Erkrankungen wie Parkinson sinnvolle Dienste. Doch Achtung: Smartphone und Apps sind zwar manchmal bequemer, sie ersetzen jedoch keine Arztbesuche oder persönliche Beratungsgespräche mit Therapeuten oder Apothekern.


Fast jedes zweite Mobiltelefon ist bereits ein Smartphone

Fast jeder zweite "Handy"-Besitzer in Deutschland nutzt bereits ein Smartphone, darunter auch viele Menschen mit Parkinson und deren Angehörige. Außer der Möglichkeit zu Telefonieren und Textnachrichten (SMS) zu verfassen, bieten solche hochwertigen Mobiltelefone auch weitere, computerähnliche Funktionen – wie die Nutzung mobiler Internetanwendungen, sogenannter "Apps" (von Englisch: "Application"). Über 1,5 Millionen solcher Anwendungsprogramme für Smartphones und andere mobile Endgeräte wie Tablet PCs wurden bereits entwickelt, darunter auch viele kostenfreie. Die meisten sind für das iPhone oder iPad von Apple oder Geräte anderer Hersteller mit Android-Betriebssystem konzipiert und können über das Internet heruntergeladen werden. Die Eingaben werden in der Regel über einen berührungsempfindlichen Bildschirm ("Touchscreen") getätigt.

Alle Apps für Android-Betriebssysteme können Sie auf Google Play herunterladen. Apps für iPhone, iPodtouch und iPod finden Sie im iTunes Store. In beiden Stores finden Sie jeweils eine kurze Inhaltsbeschreibung sowie Preisangaben. Es werden jedoch auch eine ganze Reihe kostenloser Apps zum Download angeboten.

Apps zu jedem Thema für Menschen mit Parkinson

Es gibt heute nahezu keinen Themenbereich mehr, für den es nicht auch mindestens eine App gibt. Einige dieser mobilen Anwendungen dienen eher der Informationsbeschaffung, darunter die kostenlose "dPV mobil" der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV). Sie ist speziell für Betroffene und deren Angehörige konzipiert und informiert über Früherkennung und Diagnose sowie die Arbeit der Deutschen Parkinson Vereinigung. Andere Apps liefern beispielsweise aktuelle Forschungsergebnisse oder geben medizinische Hintergrundinformationen, etwa zum Aufbau unseres Nervensystems.


Medizinische Apps zum Thema Parkinson

Neben verschiedenen Apps für die behandelnden Ärzte bieten einige Anwendungen auch medizintechnische Unterstützung für die Parkinson Patienten selbst. Dies kann jedoch niemals eine persönliche Untersuchung beim Arzt ersetzen und ist eher als Kontrollmöglichkeit anzusehen. Wer sich zum Beispiel dafür interessiert, wie stark sein Tremor ausgeprägt ist, kann dies mit der kostenlosen App "ParkinsonMeter" überprüfen. Die Ergebnisse ersetzen allerdings nicht die präzise Messung durch Fachpersonal und entsprechende Geräte.


Eigene Apps der Krankenkassen

Viele Krankenkassen wie die AOK, Techniker oder DKV bieten eine Vielzahl eigener Apps an. Damit können Sie zum Beispiel eingescannte Arztrechnungen direkt einreichen, den Facharzt oder Spezialkliniken in Ihrer Nähe finden, Tipps für Reisen ins Ausland einholen oder aktuelle Informationen zum Sozialversicherungs-, Arbeits- und Steuerrecht abrufen. Am besten informieren Sie sich direkt auf der Homepage Ihrer Krankenkasse und laden sich interessante Dienste gleich herunter.


Digitale Gedächtnisstützen

Schnell die Übersicht verlieren kann man angesichts der immer größer werdenden Anzahl digitaler Alltagshelfer. Viele davon sind sehr komplex und daher nicht immer einfach zu bedienen. Relativ simpel und mit Bildern arbeitet dagegen "Remember First", eine mobile Gedächtnisstütze für Menschen mit Parkinson, welche die Kommunikation mit Pflegepersonal und Angehörigen erleichtern soll. Andere Apps bieten die digitale Alternative zum guten alten Notizzettel, wie etwa "Lists": eine einfache und übersichtliche Anwendung zur Verwaltung von Aufgaben und Checklisten für iPhone oder iPad.


Sprachaufzeichnung

Auch auf dem Gebiet der Sprachaufzeichnung gibt es eine breite Auswahl an Anwendungen. Sie können diese hervorragend in Ihr tägliches Sprechtraining einbeziehen und damit zum Beispiel Ihre Stimme aufzeichnen, zum Takt des Metronoms sprechen und dabei die Geschwindigkeit variieren. Die Sprachaufzeichnung "Voice Recorder" für iPodtouch und iPhone zum Beispiel ist einfach anzuwenden und eignet sich sehr gut, um Klang, Lautstärke und Klarheit der eigenen Sprache zu überprüfen. Sprachnachrichten können auch eine hilfreiche Alternative zur Versendung von Textnachrichten darstellen, wenn das  SMS-schreiben bedingt durch Tremor oder ähnliches nicht mehr so gut klappt.


Gehirnjogging und Gedächtnistraining

Von Dr. Kawashima über Memory bis Sudoko: Eine ganze Reihe an Apps trainieren nicht nur das Gedächtnis, sondern machen auch noch sehr viel Spaß. Je nach persönlicher Vorliebe finden Sie bestimmt die Richtige für sich. Regelmäßige Bewertungen der neuesten Gehirnjogging-Programme werden unter anderem auf www.chip.de veröffentlicht. Eine Sudoku-App für iPhone und iPad können Sie sich zum Beispiel auf www.zeit.de herunterladen.


Training für zuhause

Für das Training zuhause bieten sich sehr gut Video-Apps an. Die "Parkinson Home Exercises-App" für iPhone, iPodtouch und iPod wurde speziell von Ärzten und Therapeuten für Parkinson-Patienten und deren Helfer entwickelt. Mit Videosequenzen werden Übungen demonstriert, mit welchen Sie die spezifischen Schwachstellen trainieren können: Hinsetzen und Aufstehen, Laufen oder im Bett herumdrehen sowie Übungen zur Mobilisierung und Entspannung des Körpers. Sie können sich Ihr individuelles Trainingsprogramm zusammenstellen. Leider ist diese App nur auf Englisch verfügbar. Einen ersten Eindruck erhält man auf Youtube.


Service und ärztliche Notdienste

Medikamente bei Ihrer Stammapotheke mit dem Mobiltelefon vorbestellen, Notdienstapotheken finden oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln checken können Sie mit der kostenlosen App "Apotheke vor Ort". Weitere Informationen erhalten Sie unter www.apotheken-umschau.de.

Für die Städte Berlin, Hamburg, Köln und München gibt es eine kostenlose SOS-App mit allen wichtigen ärztlichen Notfallnummern. Alle Nummern sind auch ohne Internetverbindung mit einem Klick zu erreichen.


Apps für Menschen mit Parkinson – kein Ersatz für Arzt und Apotheker

Bei allem Komfort: Smartphone und Apps ersetzen weder persönliche Arzt- oder Apothekenbesuche, noch können sie kontrollieren, ob die Trainingsübung gerade richtig ausgeführt wurde. Die Verlockung könnte groß sein, den kleinen Spaziergang zur Apotheke sausen zu lassen und die Bestellung stattdessen von zuhause durchzuführen. Doch gerade für Menschen mit Parkinson ist es sowohl für die Physis als auch für die Psyche wichtig, regelmäßig an die frische Luft zu gehen, sich mit anderen Menschen auszutauschen und persönliche Kontakte zu knüpfen. Sonst besteht die Gefahr des Rückzugs und der sozialen Isolation. Ganz abgesehen davon, dass ein Training in der Gruppe viel mehr Spaß macht und weniger Überwindung kostet als das einsame Üben im heimischen Wohnzimmer. An der richtigen Stelle eingesetzt, können Apps jedoch eine sinnvolle Ergänzung und nützliche Erleichterung im Alltag sein – auch für Menschen mit Parkinson.


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