Sport und Entspannung für Menschen mit Parkinson

In Bewegung und Balance bleiben!

06.03.2012 - Aktiv zu bleiben ist grundsätzlich für jeden sinnvoll. Besonders Menschen mit Parkinson sollten Bewegung nicht scheuen, da sportliche Aktivitäten die motorischen Fähigkeiten fördern können. Als Ergänzung zu Übungen der Physiotherapie kann regelmäßiges körperliches Training helfen, die durch Parkinson bedingten Defizite gering zu halten.

Thema des Monats - In Bewegung und Balance bleiben!Sport und Entspannung für Menschen mit Parkinson. Foto: iStock


Darüber hinaus trägt Sport auch zum seelischen Gleichgewicht bei und kann – in der Gruppe ausgeführt – den sozialen Austausch fördern und Freude machen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie sich auch mit Ihrer Parkinson-Erkrankung fit halten können und welche Methoden sich zur körperlichen Entspannung eignen.


Fitness für den Körper
Die Auswahl der in Frage kommenden Sportarten ist groß. Prinzipiell ist erlaubt, was Spaß macht. Wichtig dabei ist, eine Sportart zu wählen, die Sie zwar fordert, aber nicht überfordert. Man sollte seine eigene körperliche Kondition und Beweglichkeit im Blick haben und mögliche Begleiterkrankungen ebenfalls berücksichtigen.

 

Ausdauersport
Viele der typischen Ausdauersportarten wie beispielsweise (Berg-)Wandern, Radfahren, Schwimmen, (Nordic) Walking, Joggen, Ergometer- oder Laufbandtraining, aber auch Tanzen eignen sich sehr gut für Menschen mit Parkinson. Bestimmte Bewegungsabläufe können mit einer mäßigen Belastung gezielt trainiert werden, wodurch Verspannungen oder Verkrampfungen der Muskulatur entgegengewirkt wird.


Beim Laufbandtraining/Gangtraining werden zahlreiche für den Alltag wichtige Bewegungen gezielt geübt: Gangtempo und Gangspur können variiert und Schritte kontrolliert verlängert werden. Zudem wird das Aufrechtgehen geschult. Durch spezielle Haltevorrichtungen über dem Laufband kann zusätzlich das Körpergewicht entlastet werden. Wichtig ist, die auf dem Laufband trainierten Fähigkeiten auch beim normalen Gehen in der Wohnung oder dem Bürgersteig anzuwenden.


Das (Nordic) Walking hingegen hält den gesamten Körper in Bewegung. Das Training fördert die Koordination von Bewegungsabläufen und ist gleichzeitig gelenkschonend. Beim Walken mit Stöcken werden zusätzlich noch Schultern und Arme trainiert. Außerdem bieten die Stöcke zusätzlich Sicherheit und unterstützen die Aufrichtung des Oberkörpers. Bei korrekter Durchführung sollte auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet werden, d. h. die Hüfte strecken. Es empfiehlt sich, die richtigen Bewegungsabläufe zu Trainingsbeginn bei einem Sportlehrer zu erlernen.

Ein ebenso effektives Training für den ganzen Körper erreicht man beim Tanzen und Tandemfahren. Beide Aktivitäten stärken die Muskulatur gezielt und auf schonende Weise, gleichzeitig werden Ausdauer und Koordination trainiert. Darüber hinaus wirken Tanzen und Tandemfahren sozialer Isolation entgegen, können das Selbstbewusstsein positiv beeinflussen und letztendlich einfach Freude und Spaß bereiten. Mehr Informationen zum Thema Tanzen für Menschen mit Parkinson finden Sie in unserer Rubrik Aktuelles

Schwimmen und Bewegung im Wasser ist für Menschen mit Parkinson besonders geeignet. Der Körper erscheint dabei fast schwerelos, Gelenke und Muskulatur werden wohltuend entlastet. Die Bewegungen fallen leichter und können besser koordiniert werden. Im Wasser sind Bewegungen möglich, die im Trockenen eher schwierig sind, wie z. B. auf die Zehenspitzen stellen. Durch gezielte Bewegungen gegen den Wasserwiderstand können erschlaffte Muskeln sanft aufgebaut werden. Sogar die Atemmuskulatur wird durch den Wasserdruck beim Einatmen gestärkt.

Auch Bewegungen im Wasser sind anstrengend und können auf Dauer den Kreislauf belasten. Deshalb sollten Sie nicht länger als 30 Minuten im Wasser bleiben und eine anschließende Ruhephase einplanen. Am angenehmsten ist das Training im warmen Wasser (32 bis 34 Grad). Erkundigen Sie sich nach speziellen Warmbadezeiten, die viele öffentliche Schwimmhallen anbieten.

Generelle Regeln für den Sport
Je nachdem, wie weit Ihre Erkrankung fortgeschritten ist, sollten Menschen mit Parkinson einige Hinweise beachten, damit der Sport auch Spaß macht:

  • Üben Sie nie ohne Begleitperson. Aufgrund plötzlicher Bewegungsstörungen kann es zu gefährlichen Situationen kommen.
  • Passen Sie bei allen Sportarten die Trainingsphasen Ihrem Leistungsniveau an: halten Sie besser kürzere Trainingsphasen mit regelmäßigen Ruhepausen ein.
  • Berücksichtigen Sie im Trainingsplan gegenwärtige Umstände Ihrer Erkrankung, d.h. Einnahmeintervalle der Medikamente, motorische Schwankungen, Gang- und Gleichgewichtsstörungen.
  • Verzichten Sie auf sturzgefährliche Sportarten, z. B. Ski- oder Schlittschuhfahren, ebenso auf Disziplinen, die zu hohe Anforderungen an Schnellkraft und Reaktion stellen, wie beispielsweise Tennis, Squash, Volley- oder Basketball.
  • Fragen Sie Ihren Arzt, ob und welche Sportarten für Sie in Frage kommen, wenn Sie sich selbst unsicher sind.

Aus Gründen der Sicherheit, aber auch zur Motivation sollten Sie Sport nicht alleine betreiben. Ortsansässige Sportvereine oder Volkshochschulen, aber auch Krankenkassen haben meist ein reichhaltiges Kursangebot. Eventuell gibt es dort sogar spezielle Sportgruppen für Menschen mit Parkinson, in denen auf die Leistungsfähigkeit der Mitglieder individuell eingegangen wird. Örtliche Sportvereine, Selbsthilfegruppen und die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. können entsprechende Informationen zur Verfügung stellen.

Entspannungstechniken
Ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung ist eine ständig erhöhte Muskelanspannung. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, mit Hilfe von speziellen Techniken die Muskeln bewusst zu entspannen zu lernen. Zu den gängigsten Techniken zählen das autogene Training, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder auch fernöstlichen Entspannungstechniken wie Qigong und Tai-Chi.


Bei der progressiven Muskelentspannung (Muskelrelaxation) nach Jacobson werden nacheinander bestimmte Muskelgruppen gezielt kurzzeitig angespannt und anschließend wieder entspannt. Dadurch wird nach gewisser Trainingszeit eine tiefe Entspannung des ganzen Körpers erreicht. So lernen die verspannten Muskeln wieder ihre natürliche Funktionsweise. Mit der progressiven Muskelrelaxation soll der Prozess der Anspannung umgekehrt werden. Durch das Beobachten der Körperreaktionen bei den Übungen wird auch das Gefühl für den Körper geschult und Körperbewusstsein zurückerlangt.


Autogenes Training
ist eine Entspannungstechnik, die auf Autosuggestion, also Selbsthypnose, basiert. Mit Hilfe dieser Technik kann auf körperliche Prozesse Einfluss genommen werden. Das Training erfolgt meist in Gruppen unter Anleitung einer dafür ausgebildeten Fachkraft. Die Übungen können zwar auch allein mittels entsprechender CDs und Bücher erlernt werden. Hiervon raten Mediziner und Psychologen allerdings ab, um "Fehlprogrammierungen" zu vermeiden.


Qigong
verknüpft Atmung mit Körperhaltung und Bewusstsein. Ein regelmäßiges Training kann zur Aufhellung der Stimmung sowie zu mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag beitragen. Eine spezifische Wirkung auf bestimmte Parkinson-Symptome konnte durch Qigong bisher nicht nachgewiesen werden.


Besonders beliebt bei Menschen mit Parkinson ist die chinesische Bewegungslehre Tai-Chi. Eine neuere Studie hat sogar positive Effekte des Tai Chi-Trainings auf Gleichgewicht, Rückwärtslaufen und das allgemeine Wohlbefinden gezeigt. Tai-Chi ist ursprünglich eine im chinesischen Kaiserreich entwickelte Kampfkunst, heute versteht man darunter ein System an langsamen, fließenden Bewegungen mit gymnastischen und meditativen Elementen. Dabei wird die Atmung reguliert, Herz, Kreislauf und Nervensystem gestärkt. Tai-Chi führt rasch zu einer gelasseneren Stimmung, mehr Wohlbefinden, Entspannung und Konzentration.



Neben der körperlichen Bewegung sollten sich Menschen mit Parkinson gezielt und häufig Zeit für Erholungsphasen nehmen, um zum einen Muskeln leichter entspannen zu können und darüber hinaus die innere Lebenskraft zu stärken.


Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 1 Stimme(n).
 
Schriftgröße
  • Umgang mit Parkinson
Umgang mit der Diagnose

Viele Betroffene und Angehörige sind
mit der Diagnose
Parkinson überfordert.
Ein Überblick kann helfen. weiter

  • Adressen und Links
Adressen und Links

Die wichtigsten Kontakte und Adressen in Ihrer Nähe.

weiter

  • Glossar
Glossar rund um Parkinson

Von A bis Z: Fachbegriffe rund um das Thema Parkinson.

weiter

  • Service für Mediziner
Service für Mediziner

Sie sind Arzt und suchen nach weiteren Informationen? Dann besuchen Sie unser Fachportal.

weiter


© 2018 TEVA Pharma GmbH