Alltag mit Parkinson

Wie lange darf ich mit Parkinson Autofahren?

09.09.2014 – Jeder möchte möglichst lange mobil und unabhängig sein. Dazu gehört für die meisten Parkinson-Betroffenen auch das Autofahren. Doch ab einem bestimmten Stadium der Erkrankung müssen sie sich die Frage stellen: Bin ich noch fahrtüchtig oder gefährde ich mich und andere Verkehrsteilnehmer? Welche Tests oder eigene Kontrollmöglichkeiten es für Autofahrer mit Parkinson gibt und wie es sich mit rechtlichen Grundlagen verhält, erfahren Sie in unserem Thema des Monats.Alltag mit Parkinson - Wie lange darf ich mit Parkinson Autofahren? © M. Markovskiy / FotoliaIm fortgeschrittenen Verlauf einer Parkinson-Erkrankung kann die Fahrtauglichkeit aus verschiedenen Gründen eingeschränkt sein. © M. Markovskiy / Fotolia


Grundsätzlich bedeutet eine Parkinson-Diagnose nicht, dass die Betroffenen den Führerschein sofort abgeben müssen. Allerdings kann die Fahrtüchtigkeit im Verlauf der Erkrankung und mit zunehmendem Alter beeinträchtigt werden. Beispielsweise bedingt durch die Einnahme von Medikamenten, aufgrund motorischer Störungen – wie Blockaden oder eines schweren Tremors – und durch Verlangsamung von Bewegungsabläufen sowie des Reaktionsvermögens. Schlimmstenfalls kann es soweit kommen, dass das Autofahren mit erhöhtem Risiko verbunden ist. In Ihrem Interesse und um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, sollten Sie Ihre Fahrtauglichkeit immer möglichst objektiv beurteilen, sich eventuelle Einschränkungen eingestehen und regelmäßig mit Ihrem Arzt besprechen. Auch Angehörige von Parkinson-Betroffenen sollten versuchen, die Fahreignung des anderen genau zu beobachten und Auffälligkeiten umgehend mitteilen.

Parkinson-Betroffene sollten ihre Fahrtauglichkeit mit dem Neurologen besprechen

Im Anfangsstadium einer Parkinson-Erkrankung ist das Autofahren meist noch ohne Weiteres möglich. Wenn Sie jedoch folgende Auffälligkeiten an sich bemerken, sprechen Sie dringend mit Ihrem behandelnden Neurologen über das Thema Fahrtauglichkeit:

  • Sie fühlen sich plötzlich unsicher beim Autofahren, sind häufig müde oder unkonzentriert.
  • Hier könnten mögliche Nebenwirkungen der verschriebenen Medikamente (Bitte Packungsbeilage beachten!) die Ursache sein.
  • Sie bemerken unvorhersehbar eintretende motorische oder kognitive Störungen während des Autofahrens.
  • Sie sind in ihrem Sehvermögen beeinträchtigt, vor allen Dingen nachts. Hier empfiehlt sich dringend ein Sehtest, um eine Verschlechterung der Sehkraft unabhängig von Parkinson ausschließen zu können.

Der behandelnde Arzt ist rechtlich dazu verpflichtet, Parkinson-Patienten in einem persönlichen Gespräch über potenzielle oder konkrete Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit aufgrund der Erkrankung aufzuklären und auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Hält sich ein Parkinson-Patient nicht an die Empfehlungen seines Arztes und stellt er ein Risiko für sich und andere Verkehrsteilnehmer dar, kann der behandelnde Arzt seine ärztliche Schweigepflicht aufheben und die Verkehrsbehörde – in dringenden Fällen sogar die Polizei – informieren.

Nicht mehr selbst Autofahren zu können, muss letzlich keine allzu dramatische Einschränkung darstellen. Auch mit Bussen, Bahn und Taxis, mit Fahrdiensten und privaten Fahrgemeinschaften kann man sich gut fortbewegen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie Parkinson-Betroffene auch ohne Auto ihre Unabhängigkeit bewahren können.

Wie sieht die rechtliche Situation für Autofahrer mit Parkinson aus?

Ein erstmalig ausgestellter PKW-Führerschein der Klasse A (alt: Klasse 1) gilt in der Regel unbefristet. Allerdings wird die körperliche und geistige Eignung vorausgesetzt. Eine Erkrankung wie Parkinson kann ein Anlass sein, diese Eignung zu überprüfen und die Fahrerlaubnis im ungünstigsten Fall zu entziehen. Nach Bekanntwerden der Erkrankung, zum Beispiel durch Meldung durch den Arzt oder Dritte oder aufgrund eines Unfalls, kann die Straßenverkehrsbehörde einen bis zu dreistufigen Nachweis über die Fahrtauglichkeit einfordern.

Die erste Stufe ist ein Gutachten eines Neurologen mit spezieller, sogenannter "Verkehrsmedizinischer Zusatzqualifikation". In der zweiten Stufe muss ein Parkinson-Betroffener ein Attest des Gesundheitsamts als Nachweis erbringen. Die dritte Stufe besteht aus einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), gegebenenfalls mit anschließender Fahrprobe. Welcher Nachweis erbracht werden muss, liegt im Ermessensspielraum der Behörde. Die Kosten des Nachweises trägt der Parkinson-Betroffene selbst.

Liegt ein ärztliches Gutachten über eine fehlende Fahreignung vor oder fehlt der von der Straßenverkehrsbehörde eingeforderte Nachweis über die Fahrtüchtigkeit eines Parkinson-Betroffenen, sollte dieser nicht mehr autofahren. Tut der Betroffene es doch, handelt er grob fahrlässig und haftet bei eventuellen Schäden oder Unfällen. Auch ohne das Verursachen eines Unfalls, erwarten den widerrechtlich Fahrenden Sanktionen in Form von Geldstrafen bis hin zu Freiheitsentzug.

Können Parkinson-Betroffene selbst ihre Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen?

Sind Parkinson-Patienten unsicher in der Einschätzung ihres eigenen Fahrverhaltens, können sie Fahrproben bei einer Fahrschule absolvieren oder eine unabhängige neuropsychologische Untersuchung mit anschließendem Fahrtest durchführen lassen. Auch der behandelnde Neurologe kann solche Maßnahmen vorschlagen. Die anbietenden Institute, wie der TÜV, unterliegen der Schweigepflicht. Das heißt, unzureichende Ergebnisse dieser Tests werden der Verkehrsbehörde nicht gemeldet.

Auf der Internetseite des TÜV Süd kann man unter anderem in einem Computerspiel anonym seine Reaktionsgeschwindigkeit testen. Der so genannte "Fitness-Check für Autofahrer" beinhaltet eine Auswertung der mitgebrachten medizinischen Befunde sowie eine individuelle verkehrsmedizinische Untersuchung mit speziellen verkehrspsychologischen Leistungstestverfahren. Falls erforderlich, wird ein praktischer Fahrtest durchgeführt. Erfahrene Experten beraten und geben individuelle Empfehlungen zum sicheren Fahrverhalten und Tipps bei möglichen Einschränkungen. Jeder Teilnehmer erhält anschließend ein schriftliches Zertifikat. Wenn Ihnen darin die uneingeschränkte Fahrtauglichkeit bescheinigt wird, haben Sie damit auch einen Nachweis, den Sie den Behörden oder Versicherungen vorlegen können.


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