Europäisches Forschungsprojekt "MultISyn"

Biomarker soll Gehirn-Aktivität bei Parkinson zeigen

27.05.2014 – In einem europäischen Forschungsprojekt spüren Hirnforscher einem speziellen Biomarker nach. Mit diesem sollen Aktivitäten und Störungen im Gehirn von Parkinson-Betroffenen angezeigt und verfolgt werden können. Ziel ist es, neue Erkenntnisse über Parkinson zu gewinnen und die Therapiemöglichkeiten zu verbessern.
Europäisches Forschungsprojekt MultISyn – Biomarker soll Gehirn-Aktivitäten bei Parkinson zeigen © 123RF.com
Wissenschaftler wollen eine Substanz entwickeln, die Aktivitäten und Störungen in den verschiedenen Hirnregionen bei Parkinson mithilfe von MRT(Magnetresonanztomographie)-Aufnahmen sichtbar macht. © 123RF.com

Bereits Jahre bevor sich die ersten körperlichen Symptome bemerkbar machen, bilden sich im Gehirn von Parkinson-Betroffenen krankheitstypische Ablagerungen. Diese entstehen durch Verklumpung eines bestimmten Proteins (Alpha-Synuclein). Als eigentliche Verursacher der Ablagerungen gelten jedoch kleinere Vorstufen, sogenannte Oligomere. Sie scheinen stark giftig auf das Nervensystem zu wirken. Bisher ist es nicht gelungen, diese Ablagerungen mittels bildgebender Verfahren darzustellen und deren Entwicklung im Krankheitsverlauf zu verfolgen. Genau das ist die Aufgabe des europäischen Forschungsprojektes MultISyn ("Multimodal Imaging of rare Synucleinopathies"). In dem unter Tübinger Leitung stehenden Projekt wollen die Hirnforscher einen spezifischen Biomarker ("Tracer") entwickeln, mit dem Aktivitäten und Störungen im Gehirn der Parkinson-Betroffenen gezeigt und weiter verfolgt werden können.

Störungen der Gehirnaktivität bei Parkinson sichtbar machen

Ein Tracer ist eine Substanz, die mit einer minimalen Dosis radioaktiver Strahlung versetzt in die Vene injiziert wird. Durch die abgegebene Strahlung kann sie mithilfe eines PET(Positronen-Emissionstomografie)-Scanners geortet werden. Durch MRT(Magnetresonanztomographie)-Aufnahmen kann dann die Verteilung bestimmter Proteine im Gehirn sichtbar gemacht und Aktivitäten, aber auch Störungen in den verschiedenen Hirnregionen angezeigt werden. Während auf diese Weise bereits etwa bei Alzheimer die Hirnfunktionen untersucht werden können, ist dies wegen fehlender Markierungssubstanz (Tracer) bei Parkinson bisher nicht möglich. Zentrale Aufgabe des geplanten "MultISyn"-Projekts ist deshalb die Entwicklung eines Tracers, der die für Parkinson typischen Ablagerungen (Alpha-Synuclein-Aggregate) aufspürt. Für ihr Projekt greifen die Forscher auf die neueste Generation sogenannter PET/MRT-Scanner zu und verbinden die Vorteile dieser beiden Technologien.

Frühdiagnose und Parkinson-Therapien verbessern

"Damit wollen wir nicht nur die Frühdiagnose und exakte Lokalisierung der Krankheitsprozesse ermöglichen. Auch die frühzeitige Identifizierung von Risikopatienten sowie die Überwachung therapeutischer Effekte soll dadurch verbessert werden", beschreibt Professor Thomas Gasser (Hertie-Institut für klinische Hirnforschung der Universitätsklinik Tübingen und Tübinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) das übergeordnete Ziel von MultISyn.

Im nächsten Schritt sollen in klinischen Experimenten Sicherheit und Funktion des injizierten Tracers geprüft werden. Die Forscher versprechen sich davon, grundlegend neue Erkenntnisse über Parkinson zu gewinnen und die Therapien zu verbessern. Darüber hinaus soll der Tracer eines Tages auch genutzt werden, um die Wirksamkeit eines Impfstoffes zu untersuchen. Dieser soll im Körper die Bildung von Antikörpern anregen, mit deren Hilfe Alpha-Synuclein abgebaut werden könnte. "Mit dem Tracer könnten wir die hoffentlich erfolgreiche Wirkung des Impfstoffes am PET/MRT-Scanner live verfolgen", hofft Gasser.

Am MultiSyn-Projekt sind acht Forschungszentren und Unternehmen aus sechs Ländern beteiligt. Es wird mit insgesamt sechs Millionen Euro von der EU gefördert.

Quellen:

Mehr zum Thema auf www.leben-mit-parkinson.de




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