Globale Forschungsinitiative

Europaweite Suche nach Parkinson-Ursache

23.12.2013 – Ein neues Forschungsprojekt unter Tübinger Leitung untersucht erstmals in großem Umfang die Ursache für Parkinson. Dafür setzen die Wissenschaftler ganz auf neue Technologien zur Erbgut-Analyse und Generierung von Stammzellen.
Globale Forschungsinitiative – Europaweite Suche nach Parkinson-Ursache. © Alexander Raths/Fotolia.com
Eine globale Forschungsinitiative untersucht erstmals in großem Umfang die Ursache für Parkinson. © Alexander Raths/Fotolia.com

Wissenschaftler sind sich heute weitgehend einig darüber, dass Gendefekte und Umweltfaktoren die Ursache für Parkinson sind. Doch welche Genfehler oder Umwelteinflüsse genau die Erkrankung auslösen, ist nach wie vor unklar. Ein von acht EU-Mitgliedsstaaten mit rund 4,7 Millionen Euro gefördertes Forschungsprojekt ("COURAGE-PD") soll hierzu neue Erkenntnisse bringen.

In den letzten Jahren seien zwar mehrere Gendefekte gefunden worden, die Parkinson auslösen können, doch jeder von ihnen erkläre nur eine sehr kleine Zahl der Erkrankungsfälle, erläutert Professor Dr. med. Thomas Gasser, Vorstandsvorsitzender am Hertie Institut für klinische Hirnforschung (HIH) des Universitätsklinikums Tübingen und Koordinator der klinischen Forschung am Standort Tübingen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). "Für die meisten erblichen Parkinsonfälle sind die genetischen Ursachen unbekannt". Auch die epidemiologische Forschung habe Fortschritte gemacht. "Wir kennen Faktoren wie Kaffee oder Nikotin, die vor der Erkrankung schützen, während andere, wie Kopfverletzungen oder Pestizide, das Risiko zu erhöhen scheinen", sagt Gasser. "Aber wie diese Faktoren zusammenwirken und in die Erkrankungsmechanismen eingreifen, ist bisher unbekannt."

Hoffnung auf Ansätze für die Entwicklung neuer Parkinson-Medikamente

Ein Team mit Wissenschaftlern aus acht Ländern analysiert im Projekt COURAGE-PD, ob sich beim Erbgut von 300 Patienten mit besonderer familiärer Belastung Besonderheiten in Aufbau und Funktion zeigen. In einer zweiten Analyse wollen die Hirnforscher das Erbgut von 500 weiteren Personen, bei denen bereits Risiko-Gene gefunden wurden, untersuchen. Um statistische Zufallsbefunde auszuschließen, werden die Ergebnisse im nächsten Schritt mit den Blutproben von 70.000 Personen aus dem weltweit größten Netzwerk "GEO-PD" im Hinblick auf genetische Ursachen von Parkinson abgeglichen.

Zuletzt soll dann der Einfluss von Gendefekten auf Stammzellen untersucht werden. Die Wissenschaftler möchten herausfinden, wie Genmutationen den Tod von Nervenzellen begünstigen und welchen Einfluss Umweltfaktoren darauf haben. Sie greifen dazu auf die in den letzten Jahren entwickelte Technik der sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, zurück. Bei dieser Technik werden Zellen aus einer Hautprobe der Patienten zunächst in Stammzellen "umprogrammiert", um sie danach im Labor gezielt zu Nervenzellen ausreifen zu lassen.

COURAGE-PD ist Teil der größten globalen Forschungsinitiative "Joint Programming for Neurodegenerative Diseases (JPND)". Ziel von JPND ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich altersbedingter, neurodegenerativer Erkrankungen. Die Forscher erhoffen sich von den Ergebnissen des Projektes auch Ansätze zur Entwicklung neuer Medikamente hinsichtlich der Vorbeugung oder Therapie von Parkinson.


Quellen:

Mehr zum Thema auf www.leben-mit-parkinson.de



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