Neue Wege in der Parkinson-Therapie

Kalzium-Kanäle könnten zentrale Rolle bei Parkinson spielen

15.10.2014 – Wissenschaftlerinnen um Professorin Birgit Liss an der Universität Ulm ermöglichen neue Perspektiven in der Parkinson-Therapie: Sie entdeckten entscheidende molekulare Zusammenhänge zwischen Dopaminausschüttenden Nervenzellen und bestimmten Kalzium-Kanälen, die möglicherweise beide eine zentrale Rolle bei Parkinson einnehmen. Einen ersten Hinweis zur entscheidenden Rolle der Kalzium-Kanäle lieferten im Vorfeld die Ergebnisse einer großen epidemiologischen Studie, in der Medikamente gegen Bluthochdruck – die auch im Gehirn bestimmte Kalzium-Ionen-Kanäle blockieren – das Parkinson-Risiko zu senken scheinen. 
Neue Wege in der Parkinson-Therapie - Kalzium-Kanäle könnten zentrale Rolle bei Parkinson spielenProfessorin Birgit Liss und ihr Team der Universität Ulm entdeckten entscheidende molekulare Zusammenhänge, die eine zentrale Rolle bei Parkinson spielen. © Sascha Baumann/all4foto.de


Diese epidemiologischen Studienergebnisse machten Professorin Liss und ihre Mitarbeiter aufmerksam, so dass sie der Funktion dieser Kanäle in den Dopamin ausschüttenden Neuronen auf den Grund gingen. Im Rahmen eines internationalen Forschungsnetzwerks ist es ihnen gelungen, zwei unterschiedliche Therapieansätze zur Behandlung von Parkinson miteinander zu verbinden. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift "Brain". "Bisher wird Parkinson nur symptomatisch therapiert, indem versucht wird, den Dopamin-Mangel im Gehirn zu kompensieren.", so Liss.

Dopamin-Rezeptoren – Schlüssel in der Parkinson-Therapie

Das Forscherteam untersuchte insbesondere die Moleküle der Dopamin-Rezeptoren, über die Dopamin seine Wirkung vermittelt und die bereits Ansatzpunkt in der Parkinsontherapie sind. Diese sogenannten D2-Autorezeptoren sitzen auf den Dopaminausschüttenden Nervenzellen selbst und können die Dopamin-Ausschüttung hemmen. So konnten bei Parkinson-Patienten beispielsweise deutlich mehr Dopamin-Autorezeptoren nachgewiesen werden als in der Kontrollgruppe. Außerdem zeigten Untersuchungen im Tiermodell, dass die D2-Autorezeptoren die Aktivität der Dopamin-Nervenzellen mit zunehmendem Alter hemmen.

Zusammenhang zwischen sensitiven Dopamin-Rezeptoren und Kalzium-Kanälen

Neben den Erkenntnissen zu den Dopamin-Autorezeptoren gelang es den Wissenschaftlerinnen letztlich, einen Zusammenhang zwischen den sensitiv reagierenden Dopamin-Rezeptoren und den Kalzium-Kanälen herzustellen. Dabei handelt es sich genau um die Kalzium-Kanäle, deren Blockierung mittels Bluthochdruckmedikamenten das Risiko einer Parkinson-Erkrankung senken kann. "Wir haben in unserer Studie erstmals eine physiologische Funktion dieser Kalzium-Kanäle in den Dopamin-ausschüttenden Nervenzellen gefunden, die zugleich eine zentrale Rolle für Morbus Parkinson haben", so die Forscherinnen der Universität Ulm.
 
Professorin Birgit Liss und ihr Team sehen diese Studienergebnisse als entscheidende Erkenntnis und wichtige Grundlage für weitere, potentielle Parkinsontherapien.

Quelle:
idw-online.de/de/news592404





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