Parkinson-Forschung

Riechtest für die Parkinson-Früherkennung

23.10.2013 – Lässt der Geruchssinn nach, kann dies ein typisches Anzeichen für degenerative Erkrankungen wie Parkinson sein. Forscher der Universität Lübeck arbeiten daher an der Entwicklung eines Riechtests, mithilfe dessen die Erkrankung bereits in einem frühen Stadium erkannt werden soll.
Parkinson-Forschung – Riechtest für die Parkinson-Früherkennung. © Vadim Balantsev/123rf.com
Ein nachlassender Geruchssinn kann ein typisches Anzeichen für degenerative Erkrankungen wie Parkinson sein. © Vadim Balantsev/123rf.com

Obgleich der Geruchssinn der älteste Sinn in der menschlichen Entwicklungsgeschichte ist, wird er erst seit einigen Jahren intensiver erforscht. Ein Resultat dieser Studien war der Nachweis über einen Zusammenhang zwischen Störungen des Geruchssinns und degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. Doch über die menschliche Geruchswahrnehmung selber ist heute noch relativ wenig bekannt. Anlass für ein Forscherteam um Professor Amir Madany Mamlouk vom Institut für Neuro- und Bioinformatik der Universität Lübeck, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ziel der Wissenschaftler ist es, einen Riechtest zu entwickeln, der in der Früherkennung von Parkinson eingesetzt werden soll.

Jeder Mensch hat zwischen zehn und 30 Millionen Riechzellen. Sie befinden sich auf der Riechschleimhaut im oberen Bereich der Nasenhöhle. Nehmen diese Rezeptoren Gerüche (Reize) auf, lösen sie Impulse aus, die von den Nervenfasern ans Gehirn weitergeleitet werden. Wie diese Impulse ausgelöst und die Reize im Gehirn verarbeitet werden, ist jedoch nicht bekannt.

Bei Parkinson kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem langsamen Absterben der Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn. Dadurch entsteht ein Mangel an Botenstoffen, den sogenannten Neurotransmittern. Die Folge: Reize zwischen Nervenzellen und Gehirn können nicht mehr ungestört weitergeleitet werden und es treten typische Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelstarre und Zittern auf. Bestünde die Möglichkeit, Parkinson etwa durch Nachlassen des Geruchssinns frühzeitig festzustellen, könnten diese Symptome mithilfe von Medikamenten hinausgezögert werden.

Gerüche sind schwer messbar

Da Gerüche und das Riechvermögen heute weder messbare Größen sind, noch standardisierte Tests dafür existieren, wollen die Lübecker Forscher um Professor Madany Mamlouk in Anlehnung an den Farbkreis zunächst eine Geruchskarte entwickeln. Für eine Kategorisierung lassen sie Testpersonen an kleinen Plastikfläschchen mit Duftstoffen riechen und diese beschreiben, einordnen und vergleichen.

In früheren Studien konnten Wissenschaftler aus den USA bei Versuchen mit Ratten bereits neun verschiedene Abschnitte im Gehirn ausmachen, welche durch bestimmte Geruchsstoffe angesprochen werden. Die Lübecker wollen herausfinden, ob sich diese Versuchsergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen und ob es beim Riechen alters-, geschlechts- oder herkunftsbedingte Unterschiede gibt. Anschließend sollen die Ergebnisse noch mit denen gesunder Testpersonen abgeglichen werden. In circa zwei Jahren wollen die Wissenschaftler dann mit den klinischen Studien beginnen.

Doch nicht alle sind vom Erfolg dieses Forschungsprojekts überzeugt: PD Dr. Georg Ebersbach, Neurologe und Schriftführer der Deutschen Parkinson Gesellschaft, würde die Möglichkeit eines Früherkennungstests für Parkinson zwar begrüßen, bezweifelt allerdings, dass ein solcher Riechtest dafür ausreichen würde.


Quellen:



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