Riskante Stammzellen-Therapie

Ohne Wirkung: Knochenmarkzellen gegen Parkinson

19.06.2013 – Das Geschäft von Privatkliniken, die Behandlungen mit Stammzellen gegen Erkrankungen wie Parkinson anbieten, boomt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Parkinson Gesellschaft warnen jedoch bereits seit Jahren vor der risikoreichen und ineffektiven Therapie. Neuere Untersuchungen untermauern die Wirkungslosigkeit der Eingriffe bei Parkinson.
Riskante Stammzellen-Therapie - Ohne Wirkung Knochenmarkzellen gegen Parkinson. ©luismmolina/iStockphoto.com
Eine Therapie mit Stammzellen ist nicht nur umstritten, sondern in Deutschland sogar verboten. Bildquelle: luismmolina/iStockphoto.com


Bis zu 30.000 Euro zahlten Patienten in den letzten Jahren in privaten Kliniken im In- und Ausland für eine Behandlung mit körpereigenen Knochenmarkzellen. Die Hoffnung vieler Menschen mit schweren Erkrankungen – darunter auch Parkinson – werden durch die Stammzellen-Therapie geschürt. Das machen sich vor allem unseriöse Kliniken zu Nutzen. Doch laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) gibt es noch keine Stammzellen-Therapie gegen die Parkinson-Erkrankung. Eine Nachuntersuchung von Parkinson-Patienten, die sich einer solchen Behandlung unterzogen hatten, zeigt, dass die Therapie nicht nur wirkungslos ist, sondern dass in einigen Fällen sogar eine leichte Verschlechterung der Symptome auftrat.

In Deutschland wurde die Therapie mit so genannten adulten Stammzellen vom XCell-Center in Köln und Düsseldorf angeboten. Bei dieser Behandlung werden weiße Blutzellen aus dem Knochenmark entnommen und in die Blutbahn oder in die Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt, gespritzt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) warnten in der Vergangenheit immer wieder ausdrücklich vor den Risiken und der Wirkungslosigkeit dieser Eingriffe, die bis heute auf keiner wissenschaftlichen Grundlage basieren. 17 Patienten mit Parkinson oder einer Multisystematrophie, die entweder im XCell-Center in Düsseldorf oder in ausländischen Kliniken der "Stamina Foundation Onlus" mit einer Stammzellen-Therapie behandelt worden waren, nahmen nun an einer Nachuntersuchung teil. Das Ergebnis: Bei keinem der Patienten, die zwischen 41 und 77 Jahre alt sind und deren Behandlung zwischen einem und 15 Monaten zurückliegt, konnte ein verbesserter klinischer Gesamteindruck festgestellt werden. Bei einigen Betroffenen zeigte sich sogar eine Verschlechterung der Symptome.

Professor Alexander Storch und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Dresden führten die Nachuntersuchungen durch. "Für dieses Ergebnis gibt es viele mögliche Gründe. Die fehlende klinische Wirksamkeit der autologen Knochenmarkszellen bei den von uns untersuchten Patienten könnte sowohl an der zu kleinen Zahl transplantierter Zellen liegen als auch daran, dass diese Zellen ungeeignet sind, um den Defekt zu lindern", erläuterte Storch der Zeitschrift "Movement Disorders".

Therapieform ist in Deutschland mittlerweile verboten

Bereits 2009 warnten Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Nürnberg konkret vor den dubiosen Therapieangeboten der XCell-Center. Seit 2011 ist diese Therapieform in Deutschland verboten. Dass es so lang gedauert hat bis Maßnahmen ergriffen wurden, lag an einer Lücke im Arzneimittelgesetz: Stammzellhaltige Knochenmarkpräparate fallen unter "biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte", die bis Januar 2011 auch ohne Genehmigung in Umlauf gebracht werden durften. Zwar wurde der Stammzellen-Therapie – auch für Menschen mit Parkinson – in Deutschland ein Riegel vorgeschoben, doch international boomt das Geschäft weiter.


Quellen:


Mehr zum Thema auf www.leben-mit-parkinson.de:




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