Studie zu Tiefer Hirnstimulation bei Parkinson

Hirnschrittmacher ist noch besser als gedacht

22.04.2013 – Die Tiefe-Hirnstimulation (THS) verbessert die Lebensqualität bei Menschen mit Parkinson weit mehr als bisher angenommen. Laut einer internationalen Studie ist die frühe Neurostimulation der alleinigen Gabe von Medikamenten sogar überlegen.
Studie zu Tiefer Hirnstimulation bei Parkinson - Hirnschrittmacher ist noch besser als gedacht. Bildquelle: VILevi/Fotolia.com
Die Neurostimulation mit einem sogenannten "Hirnschrittmacher" kann die Lebensqualität von Parkinson-Patienten deutlich verbessern.© VILevi/Fotolia.com


Bei der Tiefenhirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Hirn transplantiert und über einen Schrittmacher gesteuert. Umgangssprachlich wird diese Neurostimulation "Hirnschrittmacher" genannt. Auch bei Parkinson kommt diese operative Methode zum Einsatz. Bisher wird die THS bei Parkinson-Erkrankten jedoch erst angewendet, wenn die Diagnose bereits mehr als zehn Jahre zurückliegt, schwerste Symptome auftreten und Medikamente nicht mehr in ausreichendem Maße helfen.

Eine jetzt veröffentlichte deutsch-französische Studie hat ergeben, dass sich durch die Tiefe Hirnstimulation die Lebensqualität von Menschen mit Parkinson deutlich verbessert und motorische Störungen verringert werden können – und das bereits in einem früheren Krankheitsstadium. Laut der Studie, die mit 251 Parkinson-Patienten durchgeführt wurde, ist die frühe Neurostimulation der alleinigen Gabe von Medikamenten sogar überlegen.

Die Teilnehmer der Studie waren im Durchschnitt 52 Jahre alt und seit rund sieben Jahren an Parkinson erkrankt. Sie erhielten entweder nur Medikamente oder wurden zusätzlich mit THS behandelt. Durch die Neurostimulation besserten sich Lebensqualität und motorische Fähigkeiten der Erkrankten deutlich, während die Werte bei den nur medikamentös behandelten Teilnehmern stagnierten oder sich verschlechterten. Auch auf den Medikamentenverbrauch wirkte sich die THS positiv aus: Die tägliche L-Dopa-Äquivalenzdosis reduzierte sich um fast 40 Prozent, ohne THS nahm sie dagegen im Untersuchungszeitraum um 21 Prozent zu.

"Diese Daten werden wahrscheinlich die Leitlinien zur Behandlung der Krankheit verändern, so dass die Neurostimulation schon viel früher beim Morbus Parkinson genutzt werden kann und deutlich mehr Parkinson-Patienten diese Therapieoption erhalten", äußerte sich Professor Günther Deuschl, Direktor der Kieler Universitätsklinik für Neurologie zu den Ergebnissen.

Neun deutsche und acht französische Universitätskliniken waren an der Studie beteiligt. Finanziert wurde die Untersuchung durch das deutsche Bundesforschungsministerium, das französische Programme Hospitalier de Recherche Clinique National und durch die Firma Medtronic, dem Hersteller der implantierten Neurostimulatoren. Wichtige Grundlagen hat auch die DGN-Arbeitsgemeinschaft Tiefe Hirnstimulation gelegt. "Dieser Zusammenschluss von Klinikteams, der in den vergangenen Jahren in Deutschland ein leistungsfähiges Netzwerk etabliert hat, hat die aktuelle Studie erst möglich gemacht hat", lobt Deuschl.


Quelle:
Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie



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