Wartungsfreies und preiswertes Notrufsystem

Länger sicher und selbständig leben mit Parkinson

07.04.2014 - Parkinson-Betroffene oder ältere Menschen, die alleine leben, werden in Notsituationen oft erst nach Stunden entdeckt. Ein neues, hochentwickeltes Sensorsystem, das in Notfällen automatisch Angehörige oder Pfleger alarmiert, könnte künftig Abhilfe schaffen.Wartungsfreies und preiswertes Notrufsystem – Länger sicher und selbständig leben mit Parkinson. © Izabela Habur/iStockphoto.com
Das Notfallsystem Safe@home erkennt Notsituationen wie Stürze und könnte künftig auch Parkinson-Betroffenen ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen.© Izabela Habur/iStockphoto.com


Die meisten pflegebedürftigen und älteren Menschen wollen so lange wie möglich in den gewohnten vier Wänden bleiben und selbstbestimmt leben – das gilt natürlich auch für Parkinson-Betroffene. Doch besonders für Alleinstehende ist dies nicht ungefährlich. So kommt es insbesondere bei der täglichen Hausarbeit vermehrt zu Stürzen. Oft dauert es Stunden, bis jemand das Unglück bemerkt und Hilfe rufen kann. Damit dies künftig möglichst nicht mehr vorkommt, arbeiten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) Stuttgart derzeit an einer Lösung, welches Notsituationen automatisch erkennt und Angehörige, Nachbarn oder Pfleger alarmiert. Das wartungsfreie System "safe@home" soll sich preiswert in jede Wohnung integrieren lassen, ohne den Bewohner in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Bereits heute existieren Hausnotruf-Systeme, wie etwa die um das Handgelenk oder um den Hals getragenen "Funkfinger". Allerdings können die Betroffenen den Notruf nicht immer auslösen – etwa weil sie das Gerät nicht bei sich tragen, bewusstlos oder verletzt sind. Ein solcher Alarm hilft also nur bedingt, ebenso wie am Körper getragene Sensoren. Diese reagieren mitunter schon auf schnelle Handbewegungen und sind daher besonders anfällig für Fehlalarme. Im Boden eingebaute Sensoren erkennen zwar Notfälle, lassen sich jedoch nur mit einem hohen baulichen und finanziellen Aufwand installieren.

Optische und akustische Sensoren erkennen Notsituationen

Beim Notfallsystem safe@home werden Sensorboxen, ähnlich wie Rauchmelder, an der Decke installiert. Sie registrieren, wenn eine Person stürzt oder Hilfe benötigt. Das System arbeitet mit optischen und akustischen Hochleistungssensoren, welche die Position und Lage einer Person sowie ihre Bewegungen innerhalb des Raumes ermitteln. Anhand dieser Werte erkennt die Technologie binnen Sekunden Stürze und registriert auch, wenn sie über einen bestimmten Zeitraum keine Bewegungen mehr feststellt. Erkennt eine Sensorbox eine Notsituation, so informiert sie eine Alarm-Einheit in der Wohnung, die sogenannte "CareBox". Diese verbindet sich unverzüglich mit dem Telefon, Handy oder Internet, um Angehörige oder Betreuer zu alarmieren.

Um einen Fehlalarm auszuschließen, wird der Bewohner zunächst von der CareBox angerufen. Eine Computer-Stimme fragt ihn nach seinem Befinden. Antwortet der Bewohner, löscht er den Alarm. Nimmt er den Anruf nicht entgegen, identifiziert safe@home dies als Notruf. Das System reagiert auch auf Hilfeschreie. Die Sensorboxen haben die Größe einer Pralinenschachtel, arbeiten unauffällig und automatisch. Ein Akkuwechsel oder das Aktivieren von Hardware sind nicht erforderlich. Da die Daten direkt im Sensor ausgewertet und somit weder gespeichert noch übertragen werden, bleibt nach Angaben der Fraunhofer-Wissenschaftler auch die Privatsphäre gewahrt.

Prototypen sind bereits im Einsatz

Seit Mitte 2012 werden Prototypen von safe@home im 24-Stunden-Betrieb auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Zusätzlich zum Dauereinsatz werden Notfallsituationen simuliert. Bislang nehmen die Probanden das System positiv an und empfinden die Sensorboxen nicht als störend. Vielmehr sehen sie ihr Kernbedürfnis nach Sicherheit erfüllt. Als besonders nützlich beschreiben die Testpersonen vor allem die automatische Alarmüberprüfung.

Safe@home soll Ende 2014 auf den Markt kommen. Projektpartner für die Entwicklung sind die BruderhausDiakonie in Reutlingen, das Karlsruher Technologie-Unternehmen Vitracom GmbH und die Heidelberger Softwarefirma Sikom GmbH.

Quelle:

Mehr zum Thema auf www.leben-mit-parkinson.de

 



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