Diagnose Parkinson

Wie gehe ich damit um?

Interview mit Karl-Heinz Brass: Erfahrungen eines Parkinson-Patienten

Frage & Antwort anhören!

Für diesen Service müssen die Lautsprecher Ihres Computers aktiviert sein.

Lautstärke > Start

Herr Brass, wir freuen uns sehr, dieses Interview mit Ihnen führen zu dürfen.
Möchten Sie uns kurz einige Worte zu Ihrer Person erzählen?

Karl-Heinz Brass: Erfahrungen eines Parkinson-Patienten
Ich bin KARL-HEINZ BRASS, 64 Jahre alt und Parkinson-Patient. Als man mich gefragt hat,
ob ich Lust hätte, dieses Interview zu führen, habe ich spontan JA gesagt. Nicht, weil ich über besondere, medizinische Kenntnisse verfüge, sondern weil ich, genau wie Sie, an Parkinson erkrankt bin.

Als ich vor mehr als einem Jahrzehnt die Diagnose Parkinson bekam, war es wie ein Keulenschlag,
ja mehr, es war ein Schock. Gleichzeitig war es aber der Beginn eines neuen Lebensabschnittes.

Ich möchte den Lesern mit diesem Interview helfen, ihre Krankheit zu akzeptieren und als Bestandteil ihres zukünftigen Lebens zu sehen. Sie werden einen Blick für neue Dinge entwickeln und sich Wünsche erfüllen, die sie bisher „auf die lange Bank„ geschoben haben.


Frage & Antwort anhören!

Lautstärke > Start

Herr Brass, was ging nach der Diagnose Parkinson in Ihnen vor?

Karl-Heinz Brass: "Auf den ersten Blick schien die Welt still zu stehen und alles um mich herum zusammenzubrechen. Ich wollte alleine sein und begann mich selbst von meinen Mitmenschen zu isolieren. Doch ich wurde bald eines besseren belehrt. Aus eigener, sehr positiver Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass es mir sehr geholfen hat, offen mit meiner Erkrankung umzugehen. Ich habe viel mit meiner Familie, sogar mit Freunden und Bekannten über meine Probleme gesprochen und gemerkt, dass sich eine neue, starke Vertrauensbasis entwickelt hat, weil ich offen auch für ihr Interesse an mir war. Aus einigen bisher oberflächlichen Bekannten sind gute Freunde geworden.

Mein Leben hat sich durch Parkinson verändert, aber nicht in allen Bereichen zum Negativen, im Gegenteil, ich hätte viele Erlebnisse ohne diese Erkrankung nie genießen dürfen. Ich habe lernen müssen, mich mit meinem "ungebetenen Gast" in meinem Körper zu arrangieren. So hatte ich unmittelbar nach der Diagnose Probleme, der Öffentlichkeit zu begegnen, weil ich in dem Glauben war, alle Mitmenschen schauen mich an und klassifizieren mich als Parkinson-Patient. Das ist natürlich totaler Unsinn. Und deshalb gehe ich heute selbstbewusst den Weg, den ich möchte und verstecke mich nicht in Umwegen. Ich weiß heute, dass ich die Dinge akzeptieren muss, die ich krankheitsbedingt nicht mehr machen kann. Umso mehr schätze ich die Dinge, die mir Parkinson erlaubt. Durch diese Verhaltensweise nehme ich mir viel Druck und mein Umfeld gestaltet sich viel angenehmer."


Frage & Antwort anhören!

Lautstärke > Start

Die Diagnose Parkinson ist über kurz oder lang mit einer medikamentösen Therapie verbunden. Was bedeutete das für Ihren Alltag?

K.-H. Brass: "Auf einmal gehörten Medikamente zu meinem Alltag wie 'das tägliche Brot'. Ich mochte diese 'Brotsorte' überhaupt nicht zu mir nehmen und – vergaß sie manchmal. Dabei bedarf es eines sehr geringen, täglichen Aufwandes, sich so zu organisieren, dass die regelmäßige Einnahme gewährleistet ist. So lege ich meine Tabletten für den kommenden Tag immer neben die Hausschlüssel. Da ich morgens als erstes die Haustür öffne, 'stolpere' ich über die Medikamente. Am Abend wäre ein sicherer Ort der Platz nahe der Zahnbürste. Das hat einen doppelten Effekt, denn diese Kombination erinnert an die Pillen und an die Zähne."


Frage & Antwort anhören!

Lautstärke > Start

Die medikamentöse Behandlung ist nur ein Teil der Parkinson-Therapie. Was tun Sie zusätzlich für sich und Ihren Körper?

K.-H. Brass: "Ich finde die meisten unserer Mitmenschen, einschl. der gesunden, haben zu wenig Bewegung. Für uns 'Parkis' ist jedoch Bewegung in allen möglichen Formen von größter Bedeutung, um unsere Mobilität so lange wie es geht zu erhalten. Wie oft musste ich meinen inneren 'Schweinehund' überwinden, um in die Gänge zu kommen - und dieses 'Tier' ist überall. Treppensteigen statt Fahrstuhl. Die Brötchen zu Fuß holen, statt mit dem Auto fahren. Sich die Getränke selbst an den Fernsehtisch holen und nicht die Dienste anderer erwarten. Ein Spaziergang mehr und dafür eine Fernsehsendung weniger. Sport treiben statt Sport gucken. Und ich bin nach über einem Jahrzehnt Parkinson, wie ich empfinde, noch sehr gut dabei."


Frage & Antwort anhören!

Lautstärke > Start

Welche Bedeutung hat für Sie die Patient-Arzt-Beziehung?

K.-H. Brass: "Der Neurologe wurde im Laufe der Jahre ein wichtiges Mitglied meines 'Betreuungsteams'. Neben den Angehörigen ist der Arzt die Person, die erheblichen Einfluss auf meine zukünftige, positive Lebensqualität nehmen kann. Für mich war besonders wichtig, dass Fragen wie 'Kann ich mit ihm reden?', 'Hört er mir zu?', 'Versteht er mich?' und 'Hat er ausreichend Zeit für mich?' mit guten Vorzeichen beantwortet werden konnten. Ich habe hier keinerlei Kompromisse gemacht. Wie bei der 'Liebe auf den ersten Blick' stellt man fest, ob die zwischenmenschlichen Kontakte in Ordnung sind und ob sich eine Vertrauensgrundlage bilden könnte. Natürlich spielt seine fachliche Kompetenz eine große Rolle. Für mich persönlich ist das Vertrauen der wichtigste Punkt bei der Auswahl des Arztes."


Frage & Antwort anhören!

Lautstärke > Start

Wie gehen Sie heute mit Ihrer Erkrankung um?

K.-H. Brass: "Es gibt keinen einheitlichen Krankheitsverlauf. Für mich selbst habe ich aber herausgefunden, dass ich den Verlauf von Parkinson positiv beeinflussen konnte. So erfüllte ich mir einen Lebenstraum und bin 2007 (ich hatte damals schon einige Jahre Parkinson) den Jakobsweg über 800 km zu Fuß nach Santiago de Compostela gegangen. Zwei Jahre später, im Jahr 2009, schaffte ich den Jakobsweg über die VIA DE LA PLATA von Sevilla in Andalusien in das über 1000 km entfernte Santiago in 46 Tagen. Ich habe über meine Erlebnisse und Erfahrungen auf diesen beiden Strecken zwei Bücher geschrieben. Eines davon trägt den Titel: ...WEITER, IMMER WEITER...

Karl-Heinz Brass: Erfahrungen eines Parkinson-Patienten

Dieser Buchtitel ist inzwischen zu meinem Lebensmotto geworden. Natürlich kann und soll nicht jeder Hunderte von km zu Fuß bewältigen. Aber: EIN STÜCKCHEN JAKOBSWEG IST ÜBERALL!

Ich bitte sie herzlich, geben sie niemals auf. Tun sie das, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten machbar ist und genießen sie ihr Leben trotz oder gerade mit Parkinson.

...ES GEHT WEITER, IMMER WEITER!

Alles Gute für Sie, herzlichst, Ihr Karl-Heinz Brass"


Bewertungen: 3.2 von 5. 17 Stimme(n).
Sie haben diesen Artikel bereits bewertet.
 
Schriftgröße
  • Umgang mit Parkinson
Umgang mit der Diagnose

Viele Betroffene und Angehörige sind
mit der Diagnose
Parkinson überfordert.
Ein Überblick kann helfen. weiter

  • Adressen und Links
Adressen und Links

Die wichtigsten Kontakte und Adressen in Ihrer Nähe.

weiter

  • Glossar
Glossar rund um Parkinson

Von A bis Z: Fachbegriffe rund um das Thema Parkinson.

weiter

  • Service für Mediziner
Service für Mediziner

Sie sind Arzt und suchen nach weiteren Informationen? Dann besuchen Sie unser Fachportal.

weiter


© 2018 TEVA Pharma GmbH